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Klimawandel treibt wärmeliebende Fischarten Richtung Erdpole

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Kabeljau
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Der Studie zufolge sind die Kabeljau-Bestände in der Nordsee auch aufgrund der Erwärmung der vergangenen Jahrzehnte erheblich geschrumpft. Foto: Andrew Parsons Foto: dpa

London (dpa) - Die Erwärmung der Meere wirkt sich auch auf den Fischfang aus: Wie eine Auswertung globaler Fangstatistiken zeigt, verändert sich seit einigen Jahrzehnten die Zusammensetzung der Arten in den Netzen der Fischer.


So würden in höheren Breiten zunehmend wärmeliebende Arten gefangen, in den Tropen hingegen immer weniger subtropischen Fischarten, berichten Forscher im Fachblatt »Nature« (Bd. 497, S. 365). Ihre Studie zeige, dass der Klimawandel bereits heute die kommerzielle Fischerei beeinflusse. Es sei dringend geboten, Pläne zu entwickeln, um die Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Nahrungssicherheit an den Küsten zu minimieren.

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Jede Fischart besitzt ein bestimmtes Temperaturspektrum, das sie physiologisch tolerieren kann. Wird es zu warm oder zu kalt, kann sie grundsätzlich in passendere Regionen ausweichen. In Einzelfällen sei so etwas auch schon konkret beobachtet worden, schreiben die Forscher um William Cheung von der University of British Columbia (Vancouver/Kanada). So würden in den kühlen Gewässern um Großbritannien herum zunehmend Rote Meerbarben (Mullus barbatus) gefangen, eine eigentlich wärmeliebende Fischart.

Auch südlichere Arten, wie die Streifenbarbe oder der Knurrhahn, seien infolge des Klimawandels zunehmend in der Nordsee zu finden, bestätigt Anne Sell vom Thünen-Institut für Seefischerei in Hamburg. Andersherum seien die Kabeljau-Bestände in der Nordsee auch aufgrund der Erwärmung der vergangenen Jahrzehnte erheblich geschrumpft.

Dennoch sei es grundsätzlich schwierig, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Verbreitung von Fischarten nachzuweisen, betonen Experten. Bestandsaufnahmen erfolgten zumeist von Forschungsschiffen aus; oft würden dabei nur wenige Arten in ausgewählten Regionen erfasst. Um diese Schwierigkeiten zu umgehen, wählten Cheung und seine Mitarbeiter nun einen etwas ungewöhnlichen Ansatz: Sie werteten globale Fangdaten aus und verrechneten sie mit den Temperaturvorlieben der jeweils gefangenen Fischarten. So ermittelten sie die »Durchschnittstemperatur des Fangs«.

Insgesamt werteten sie Daten von 990 Arten aus 52 großen marinen Ökosystemen aus. Sie erfassten den Zeitraum von 1970 bis 2006. Es zeigte sich, dass mit dem Anstieg der Meerestemperaturen auch die Durchschnittstemperatur der Fänge gestiegen war: Global stellten die Wissenschaftler einen Anstieg von 0,19 Grad Celsius pro Jahrzehnt fest, außerhalb der Tropen betrug der Wert 0,23 Grad Celsius. Der Anteil wärmeliebender Arten in den Fängen hat also über die Jahrzehnte zugenommen.

In den Tropen sei die Durchschnittstemperatur des Fangs bis 1980 zunächst schnell gestiegen und habe sich dann stabilisiert. Dies zeige, dass immer weniger subtropische Arten in den Tropen vorkommen, die dort zuvor auch gefangen werden konnten. Scheinbar wurde es für sie dort einfach zu warm. Steigen die Wassertemperaturen in den Tropen weiter, könnte es auch für die verbleibenden Arten problematisch werden, was die Bestände letztlich schrumpfen lasse, fürchten die Forscher.

Veränderte Fischereibemühungen oder die Verschiebung bestimmter ozeanographischer Faktoren, wie etwa Meeresströmungen, schlossen die Wissenschaftler als Ursache für ihre Beobachtungen aus.

Es sei verführerisch, die Daten der Forscher überzuinterpretieren und anzunehmen, dass die Meeresbestände sich infolge der Erwärmung ebenso verändert haben wie die Zusammensetzung der Fischfänge, schreibt Mark Payne, Fischereiforscher an der Technical University of Denmark (Charlottenlund) in einem »Nature«-Kommentar (S. 320).

Die Fischerei werde von vielen Faktoren beeinflusst, etwa den Verbraucherwünschen, technischen Entwicklungen oder internationalen Vorschriften. Ihr Einfluss müsse verstanden werden, bevor man Rückschlüsse auf die Artenzusammensetzung ziehe. Fest stehe jedoch, dass der Klimawandel es bis zum Fischfänger und auf unsere Esstische geschafft habe. Die Frage sei nun: Wie reagieren wir darauf?