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HIV-Epidemie unter Schwulen verschlimmert sich

London/Berlin (dpa) - Trotz Erfolgen bei der weltweiten Bekämpfung von HIV haben die Maßnahmen eine Bevölkerungsgruppe nach einer neuen Studie zu wenig erreicht: die der homosexuellen Männer.

Unter Männern, die Sex mit Männern haben, breite sich die Epidemie in den meisten Ländern weiter aus - unabhängig vom Wohlstand, schreiben US-Forscher vor dem Start des Welt-Aids-Kongresses am 22. Juli in Washington im Fachjournal «Lancet».

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Hauptgrund sei die sexuelle Praktik des Analverkehrs. Ohne Kondom sei das Risiko einer HIV-Übertragung dabei rund 18 Mal größer als bei ungeschützten Kontakten zwischen Penis und Vagina, berichten die Forscher um Chris Beyrer von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore (US-Staat Maryland). Weitere Gründe für das hohe HIV-Risiko bei Schwulen seien nicht nur häufige Partnerwechsel, sondern auch die wechselnden Rollen beim Geschlechtsakt. Am gefährlichsten für eine Virusübertragung sei die empfangende Position.

Auch in Deutschland ist die HIV-Epidemie nach dem jüngsten Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) nach wie vor am stärksten durch die Entwicklung in der Gruppe homosexueller Männer geprägt. Von 2889 Erstdiagnosen im Jahr 2011 entfielen 1574 auf bekennende Schwule. Die Zahlen gehen nach einem Anstieg bis 2008 allerdings inzwischen zurück - zuletzt um sieben Prozent. Von einer Trendwende wollen die RKI-Forscher aber noch nicht sprechen. Die Entwicklung sei wahrscheinlich auch mit einer besseren Behandlung von Menschen mit HIV-Diagnose zu erklären.

Lancet-Studie nach Ablauf der Sperrfrist

RKI-Bulletin zu HIV/Aids 2011