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Feuersturm-Überlebende Ängste an Kinder weiter

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Bombenangriffe in Hamburg
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Die undatierte Aufnahme zeigt einen kleinen Jungen zwischen Trümmern und Hausruinen in Hamburg. Foto: dpa/Archiv Foto: dpa

Hamburg (dpa) - 70 Jahre nach den alliierten Bombenangriffen auf Hamburg stellen Wissenschaftler fest: Kinder von traumatisierten Überlebenden leiden häufig an Ängsten.


Überlebende der verheerenden Bombenangriffe auf Hamburg haben einer Studie zufolge ihre seelischen Verletzungen an ihre nach dem Krieg geborenen Kinder weitergeben. »Die Kinder unserer Zeitzeugen sind psychisch höher belastet als die Normalbevölkerung«, sagte der Hauptautor der Untersuchung, Philipp von Issendorff, der Deutschen Presse-Agentur dpa.

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Besonders ausgeprägt seien Ängste. »Je schwerer die Traumatisierung bei den Eltern ist, desto höher ist die Angst bei den Kindern - auch Jahrzehnte später.« Auch Depressionen und psychosomatische Probleme gebe es bei den Nachgeborenen öfter als bei Vergleichsgruppen - der Wert sei aber nicht so auffällig wie bei der Angst.

Der Mediziner mit Schwerpunkt Psychosomatik wertete Fragebögen und Interviews mit 46 Elternteilen und ihren 76 Kindern aus. Besonders auffällig: Zeitzeugen, die bei dem von den Alliierten ausgelösten Feuersturm 1943 Todesangst hatten, leiden heute nicht mehr als der Bevölkerungsdurchschnitt (7 Prozent) unter Ängsten. Dagegen zeigten 17 Prozent der Nachkommen erhöhte Werte. Die Kriegstraumata hätten sich auf die Kinder übertragen, ist von Issendorff überzeugt. Wie das genau geschehen sei, sei unklar.

Ein möglicher Grund seien die häufigen Erzählungen der Eltern. »Eine Betroffene berichtete, dass ihr Vater immer so sehr vor offenem Feuer gewarnt habe, dass sie selbst große Angst davor hat«, sagte von Issendorff. Bei der Weitergabe könne aber auch genau das Gegenteil - Verdrängung und Schweigen - eine große Rolle gespielt haben. »Gerade das Schweigen führt vielleicht dazu, dass die Kinder sich unbewusst in die Traumatisierung der Eltern einfühlen.« Denkbar sei aber auch ein biologischer Ansatz, die sogenannte Epigenetik. »Sie geht davon aus, dass das Erbmaterial durch Erlebnisse und Lebensstil nachträglich verändert werden kann«, sagte von Issendorff.

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