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Blätter, Wurzeln, Fleisch: Der Speiseplan der Hominiden

London (dpa) - Die Vorliebe für Fleisch hat scheinbar den Aufstieg des Frühmenschen begünstigt. Diesen Verdacht bestätigt eine Studie, in der Forscher aus Frankreich und Südafrika Zähne von verschiedenen Hominiden aus Afrika analysierten.

Zahn eines Frühmenschen
Der Zahn eines Frühmenschen: Die Analyse des Zahnschmelzes ergab, dass der vor etwa 2,5 Millionen Jahren lebende Australopithecus africanus Fleisch und pflanzliche Nahrung verzehrte. Foto: José Braga und Didier Descouens Foto: dpa

Wie die Experten im Magazin «Nature» berichten, verzehrte der vor etwa 2,5 Millionen Jahren lebende Australopithecus africanus Fleisch und pflanzliche Nahrung. Zwei später auftauchende Hominide waren dagegen stärker spezialisiert: Während der Paranthropus robustus pflanzliche Kost bevorzugte, neigten die ersten Vertreter der Gattung Homo mehr zu Fleisch - und hatten damit wohl einen evolutionären Vorteil.

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Um den Speiseplan der drei Vormenschen zu ermitteln, analysierten die Forscher um Vincent Balter von der Ecole Normale Supérieure in Lyon den Schmelz von Backenzähnen, die in südafrikanischen Höhlen gefunden worden waren. Bei insgesamt 14 Vertretern der drei Hominiden ermittelten sie per Laserablation die Einlagerungen der Elemente Strontium, Barium und Kalzium. Deren Verhältnis zueinander liefert Hinweise auf die verspeiste Kost.

Die Analyse zeigt, dass Australopithecus africanus das breiteste Nahrungsspektrum hatte. Er aß sowohl Blätter und Früchte als auch Fleisch. Dabei habe er seine Ernährung nach dem Angebot der jeweiligen Jahreszeit ausgerichtet, vermutet das Team. Der Australopithecus africanus verschwand vor gut zwei Millionen Jahren.

Im Vergleich dazu waren die beiden jüngeren Hominiden deutlich wählerischer: Der vor etwa zwei Millionen Jahren auftauchende Paranthropus robustus aß der Studie zufolge weit mehr pflanzliche Kost als die zu jener Zeit lebenden Vertreter der Gattung Homo. Diese verspeisten mehr Fleisch und verschmähten eher die holzigen Pflanzen und Wurzeln, die Australopithecus und Paranthropus aßen.

Möglicherweise sei dem Paranthropus gerade seine Spezialisierung auf Pflanzenkost zum Verhängnis geworden, vermuten die Forscher: Als sich vor rund einer Million Jahren die Umweltbedingungen im südlichen Afrika wandelten, starb der Paranthropus aus. Zurück blieben als einzige Hominide die damaligen Vertreter der Gattung Homo.