weather-image
28°

Antarktis-Kleinkrebse leiden unter Versauerung der Meere

Krill
Hier ist ein arktischer Krill zu sehen. Die Kleinkrebse sind Nahrungsgrundlage für Wale, Pinguine und andere Tiere. Foto: EPA Foto: dpa

London (dpa) - Im Ozean rund um den Südpol könnte in den nächsten Jahrhunderten eine wichtige Nahrungsgrundlage für Wale, Pinguine und andere Tiere verloren gehen: Kleinkrebse (Krill).


Denn steigende Kohledioxidwerte in der Luft lassen das Meerwasser saurer werden. Bereits im Jahr 2100 könnten deshalb in einigen Regionen nur noch halb so viel Krebse aus ihren Eiern schlüpfen wie heute, berichten Biologen in der Fachzeitschrift «Nature Climate Change». Werde der Ausstoß von Kohlendioxid nicht reduziert, könnte die Krill-Population im Südlichen Ozean bis zum Jahr 2300 kollabieren. Das hätte mit verheerende Folgen für das gesamte Ökosystem.

Anzeige

Der Biologe So Kawaguchi vom Antarctic Climate and Ecosystems Cooperative Research Centre in Tasmanien erforscht seit gut einem Jahrzehnt Kleinkrebse. Für die aktuelle Studie hatte sein Team Antarktischen Krill (Euphausia superba) aus dem Südlichen Ozean gesammelt und in einem Aquarium gehalten. Später wurden natürlich befruchtete und abgelegte Eier auf elf verschiedene Gläser mit Meerwasser verteilt. In den Gläsern experimentierten die Biologen dann mit verschiedenen Konzentrationen an Kohlendioxid.

Je nach den verschiedenen Klima-Szenarien kann das Meerwasser in Zukunft unterschiedlich saurer werden, weil es mehr Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen muss. Im Wasser reagiert Kohlendioxid zu Kohlensäure - das kann den pH-Wert senken. Das Wasser wird saurer. Und in kaltem Meerwasser löst sich Kohlendioxid besonders gut.

Acht Tagen nach der Ei-Ablage zählten die Forscher, wie viele Kleinkrebse aus den Eiern geschlüpft waren. Dort, wo das Wasser nur wenig saurer war als heute in der freien Natur, schlüpften etwa so viele Kleinkrebse wie im Ozean auch. Aber dort, wo das Wasser wesentlich mehr Kohlendioxid enthielt als bislang üblich, sank die Schlüpf-Rate auf 20 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe mit herkömmlichem Meerwasser.

«Außerdem verzögerten die erhöhten Kohlendioxid-Spiegel im Meerwasser die Entwicklung der Embryonen», schreiben die Forscher weiter. Die zukünftige Konzentration von Kohlendioxid im Meerwasser rund um den antarktischen Kontinent könne sehr heterogen sein - und zwar sowohl horizontal, als auch vertikal. Das heißt, das Wasser kann in verschiedenen Tiefen und an verschiedenen Stellen unterschiedlich sauer sein oder noch werden. Deswegen berechneten die Forscher Risiko-Karten.

Dabei zeigte sich: Besonders gefährlich werde es für den Krill im Weddell-Meer und im Randmeer König Haakon VII. östlich der Antarktis sowie entlang der Westküste des Kontinents. Dort werde bereits im Jahr 2100 die Schlüpf-Rate nur noch halb so gut sein wie heute. Selbst dann, wenn sich der Kohlenstoff-Ausstoß weltweit stabilisiert. Im schlimmsten Fall leuchtet die Risiko-Landkarte für das Jahr 2300 rot - und das rings um die gesamte Antarktis: Dann würde so gut wie kein Kleinkrebs mehr aus seinem Ei schlüpfen.