weather-image
11°

Wirtschaftskapitäne in Euro-Krise gegen Polemik

München (dpa) - Führende Wirtschaftsvertreter kritisieren die polemischen Töne deutscher Politiker in der Euro-Krise. Der Chef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard, mahnte, die Eurokrise nicht durch einfache und kernige Aussagen zu verschlimmern.

Bayerns Finanzminister Söder
Bayerns Finanzminister Söder zu Griechenland und der Eurozone: «Nach meiner Prognose sollte Griechenland bis Jahresende ausscheiden." Foto: Frank Leonhardt/Archiv Foto: dpa

Er bedaure, dass es manchen in der Debatte vor allem um Polarisierung gehe. Für einfache Lösungen sei die Situation zu komplex und die Lösung der Krise zu wichtig. «Dann sind solche extremen Aussagen nicht hilfreich», sagte von Bomhard am Dienstag in München bei der Vorlage der Halbjahreszahlen.

Anzeige

Bomhard nannte zwar keine Namen. Wegen scharfer Attacken auf Griechenland sind in den vergangenen Wochen aber vor allem drei Politiker in die Kritik geraten: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt und Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU). International hatte vor allem Röslers Forderung nach einem schnellen Euro-Exit der Griechen für Aufsehen gesorgt, weil der FDP-Politiker anders als Dobrindt und Söder Mitglied der Bundesregierung ist.

Auch Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber kritisierte in einem Interview Gedankenspiele zum möglichen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion und forderte von der Politik sachlichere Töne. Der «Süddeutschen Zeitung» (Dienstag) sagte der Manager auf die Frage, wie er die jüngsten Äußerungen von Rösler und Söder beurteile: «Ich persönlich würde eine größere Zurückhaltung in der Öffentlichkeit begrüßen.» Rösler hatte vor kurzem beispielsweise erklärt, dass ein Austritt Griechenlands längst seinen Schrecken verloren habe. Söder hatte direkt den Austritt von Hellas aus dem Euro gefordert.

Uebber stärkte außerdem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrem Euro-Kurs den Rücken und forderte klare Vorgaben für das Vorgehen der Europäischen Zentralbank EZB. «Ich denke, eine konsequente Stufenlösung, wie auch von Kanzlerin Merkel vorgesehen, ist der richtige Weg», sagte er zu Plänen der EZB, direkt Staatsanleihen aus Krisenländern zu kaufen. Derzeit kämpfen Länder wie Spanien und Italien mit hohen Zinsen für frisches Geld. Großangelegte Käufe der Schuldscheine durch die EZB könnten die Lage beruhigen, schüren aber Inflationsängste. Kritiker monieren, die EZB gebe damit ihre ursprüngliche Aufgabe als Währungshüter auf.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte in der «Passauer Neuen Presse» (Mittwoch): «Wir dürfen den Austritt Griechenlands aus der Währungsunion nicht herbeireden.» Öffentliche Spekulationen seien nicht hilfreich. «Damit wird nur zusätzliche Unsicherheit an den Märkten hervorgerufen.»

Daimler-Mann Uebber warb zudem für mehr Regeln und Berichtspflichten in der Finanzwelt. «Vieles, was an den Finanzmärkten passiert, ist nach wie vor intransparent. Deshalb brauchen wir für alle Kapitalmarktteilnehmer mehr Regeln und Leitplanken inklusive der Rating-Agenturen. Und wir müssen den Börsenhandel da einschränken, wo zügellos spekuliert wird.»

Zum Szenario eines auseinanderbrechenden Euro-Raumes meinte der Daimler-Finanzchef: «Die Folgen wären ein riesiger Einbruch in der Wirtschaftsleistung, gerade auch in Deutschland, mit sehr großen Schwankungen an den Finanzmärkten.»

Infos über Uebber