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Wirtschaftsführer kritisieren Banken

München (dpa) - Linde-Chef Wolfgang Reitzle hat die Finanzbranche heftig kritisiert. Nach dem Wirbel um manipulierte Zinssätze sieht er die Geldhäuser in einer massiven Glaubwürdigkeitskrise. «Mit der Libor-Affäre ist vielleicht der letzte Rest Vertrauen verloren gegangen.

Woilfgang Reizle
Linde-Chef Wolfgang Reitzle wettert gegen die Banken. Foto: Tobias Hase Foto: dpa

Was soll man denn noch glauben, wenn der wahrscheinlich wichtigste Zins der Welt manipuliert wurde», sagte Reitzle dem «Manager Magazin» und reiht sich in eine Liste von Wirtschaftsführern ein, die ungewohnt offen die Finanzbranche attackieren, die Banken für die Krise verantwortlich machen und schärfere Regeln einfordern.

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Reitzle kritisiert, die Finanzwirtschaft habe sich eine eigene Parallelwelt erschaffen. «Wenn ich sehe, was da - zum Teil ja schon mit krimineller Energie - abgelaufen ist, und wenn man dann noch hört, was einige Hedgefondsmanager einstreichen, dann glaube ich, dass sich dringend etwas ändern muss», sagte der Manager mit Blick auf die horrenden Bonus-Zahlungen, die bei vielen Banken üblich sind.

Das «Handelsblatt» (Freitag) zitiert BDI-Präsident Hans-Peter Keitel: «Banken sind kein Selbstzweck. Sie müssen sich wieder mehr als Dienstleister der Realwirtschaft verstehen.» Auch der Chef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard, hatte jüngst Schlagzeilen gemacht, als er eine Trennung von normalen Bankgeschäft und dem Investment-Banking ins Spiel brachte, um Banken deutlich zu verkleinern und die Risiken besser zu verteilen.

Auch Post-Chef Frank Appel mahnt schärfere Kontrollen des Staates an: «Ich halte es für falsch, dass bei der Regulierung der Finanzmärkte nur wenig passiert», zitiert ihn das «Handelsblatt». Deichmann-Chef Heinrich Deichmann sagte, man dürfe nur in Dinge investieren, die man verstehe. «Wenn sich die Finanzindustrie daran gehalten hätte, wenn sie sich nicht so von der Gier hätte leiten lassen, dann hätten wir uns alles vieles erspart», zitiert das Blatt.

Reitzle im «Manager Magazin»