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Stimmung in Japans Industrie verschlechtert sich

Tokio (dpa) - In Japan geht die Sorge vor einer erneuten Rezession um. Die Stimmung unter den Managern großer Industrieunternehmen hat sich zwischen Juli und September verschlechtert und dürfte sich auch im nächsten Quartal nicht aufhellen, wie eine Umfrage der japanischen Zentralbank ergab.

Exporte eingebrochen
Japanische Autos für den Export stehen im Hafen von Yokohama. Über der Exportnation Japan ziehen dunkle Wolken auf. Produktion und Ausfuhren sinken. Foto: Everett Kennedy Brown Foto: dpa

Nach dem sogenannten Tankan-Bericht sank der Stimmungsindex der Großindustrie von minus einem Punkt im Vorquartal auf minus drei. Ein negativer Wert bedeutet, dass die Pessimisten in der Mehrheit sind.

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Damit hat sich die Stimmung in großen Industrieunternehmen wie Autokonzernen erstmals seit drei Quartalen wieder verschlechtert. Hintergrund sind die wirtschaftliche Abschwächung in Absatzmärkten wie China und die Krise in Europa.

Auch für die nächsten Monate rechnen die von der Zentralbank befragten Industriekonzerne mit keiner Besserung der Lage. Auch Unternehmen der nicht verarbeitenden Branchen erwarten dem Tankan zufolge eine Verschlechterung ihres Geschäftsumfelds. Angesichts der Euro-Krise, der schwächer als erwartet verlaufenden Erholung der US-Wirtschaft und einer konjunkturellen Abkühlung in China sind Japans Manager zunehmend besorgt. Hinzu kommt der wieder aufgeflammte Streit zwischen Japan und China um unbewohnte Inseln im Ostchinesischen Meer. Die Nachfrage nach japanischen Waren ist wegen des Konflikts in China, Japans größtem Handelspartner, eingebrochen.

Die Exporte nach China waren im August um 9,9 Prozent geschrumpft. Das Geschäft mit dem benachbarten Riesenreich dürfte wegen des Inselstreits auch im laufenden Quartal weiter leiden. Nach Europa waren Japans Ausfuhren im August sogar um 22,9 Prozent zurückgegangen. Zugleich stellte Japans Industrie im zweiten Monat in Folge weniger her. Die Produktion sank im Berichtsmonat um 1,3 Prozent zum Vorjahr und damit deutlich stärker als erwartet. Belastet wird Japans Wirtschaft zudem durch die Deflation mit andauernd fallenden Preisen. Andererseits wollen Japans Unternehmen branchenübergreifend ihre Investitionen bezogen auf das noch bis zum 31. März 2013 laufende Gesamtgeschäftsjahr um 6,4 Prozent aufstocken.

Die Tankan-Umfrage der Bank von Japan ist eine umfassende Mischung aus Konjunkturanalyse und Stimmungsbericht. Detailliert beantworten rund 10 000 Unternehmen Fragen nach ihren Lagerbeständen, Zwischengewinnen oder zu erwartenden Verlusten sowie zu ihren Investitions- und Personalplänen. Anhand eines Indexes wird die Einschätzung der Unternehmen über ihre Geschäftslage bemessen.