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Spar-Erfolge treiben Lufthansa und Air France-KLM an

Frankfurt/Main/Paris (dpa) - Ein starker Sommer hat der Lufthansa und ihrer Konkurrentin Air France-KLM wieder Aufwind verschafft. In den Führungsetagen traut man dem unverhofften Glück allerdings nicht.

Lufthansa
Trotz der Belastungen durch den Flugbegleiter-Streik und durch hohe Treibstoffkosten ist der Lufthansa-Umsatz um 6,1 Prozent gestiegen. Foto: Boris Roessler Foto: dpa

Mit dem Wegfall tausender Arbeitsplätze und vereinfachten Geschäftsstrukturen versuchen sich Europas größte Fluggesellschaften für den immer härter werdenden Wettbewerb mit Billigfliegern und den aufstrebenden Fluggesellschaften vom Persischen Golf fit zu machen. Den Mitarbeitern der Lufthansa weht ein noch schärferer Wind entgegen.

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Denn trotz eines Gewinnsprungs im dritten Quartal verstärkt die größte deutsche Airline ihren Sparkurs. Unter dem Strich wuchs der Überschuss überraschend um 30 Prozent auf 642 Millionen Euro, obwohl der Flugbegleiter-Streik und hohe Treibstoffkosten auf dem Ergebnis lasteten. Der Umsatz legte im Vergleich zum Vorjahr um 6,2 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro zu, wie der Konzern mitteilte. Der operative Gewinn stieg auf 648 Millionen Euro, vor allem wegen höherer durchschnittlicher Ticketerlöse und den erfolgreichen Service-Töchtern etwa für die Bordverpflegung. Auch der schwache Euro machte Tickets für viele Passagiere erschwinglicher.

Dennoch erklärte Vorstandschef Christoph Franz am Mittwoch, die bislang in Angriff genommenen Projekte reichten nicht aus, um zusätzliche Belastungen auszugleichen. Das Flugangebot wird daher weiter zusammengekürzt, der aktuelle Winterflugplan bietet drei Prozent weniger Flüge als vor einem Jahr. Die Folge: In der Kerngesellschaft Lufthansa Passage werden 2000 Flugbegleiter und 500 Piloten weniger benötigt als ursprünglich geplant.

Rund die Hälfte der Kräfte habe man gar nicht erst eingestellt, berichtete Franz. Für die übrigen müsse man mit den Gewerkschaften nach Lösungen suchen. «Wir haben strukturell zu viele Mitarbeiter an Bord.» Lufthansa bietet seit kurzem Abfindungen an, um weltweit 3500 Stellen in der Verwaltung abzubauen. Ende September waren mit 118 000 Mitarbeitern knapp 2 Prozent weniger beschäftigt als ein Jahr zuvor.

Lufthansa-Konkurrent Air France-KLM berichtete in Paris, sein Sparprogramm beginne, sich positiv auf das Ergebnis auszuwirken. Der Konzern streicht mehr als 5000 Jobs in Frankreich, zehn Prozent der gesamten Stellen, und hat einen Umbau eingeleitet. Im dritten Quartal verbuchte das Unternehmen einen Gewinn von 306 Millionen Euro nach 14 Millionen im Vorjahreszeitraum - im zweiten Quartal hatte Air France-KLM noch rote Zahlen geschrieben. Der Umsatz stieg um 5,8 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro.

Das harte Sparprogramm und die Reiselust der Passagiere habe die Belastungen durch höhere Treibstoffkosten wettgemacht, hieß es bei den Franzosen. Der Konzern will im zweiten Halbjahr im operativen Geschäft mehr als 195 Millionen Euro verdienen und damit besser abschneiden als im Vorjahr.

Die Lufthansa beurteilte die Aussichten bei Buchungen und Spritpreisen für das Schlussquartal 2012 düster. Das Management setzt insbesondere die Hauptgesellschaft Lufthansa Passage unter Druck, die mit 900 Millionen Euro den Großteil der angestrebten Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr bringen soll. 2012 werde die Passage nur Verluste beitragen, sagte Finanzchefin Simone Menne. Sie zeigte sich aber entschlossen gegenzusteuern. Nach Aussagen von Lufthansa-Chef Franz wird das Sparprogramm «Score» bereits in seinem ersten Jahr 2012 mehr Einsparungen bringen als die geplanten 280 Millionen Euro.

Mit den aufgelaufenen Verlusten aus dem ersten Halbjahr hat der Lufthansa-Konzern im Neun-Monats-Zeitraum 2012 ein Konzernergebnis von 474 Millionen Euro erreicht (plus 64,6 Prozent). Operativ ging das Ergebnis um 96 Millionen auf 628 Millionen Euro zurück. Der Umsatz in den neun Monaten betrug 22,8 Milliarden Euro (plus 6,1 Prozent). Die Börse reagierte mit kräftigen Kurssteigerungen um zeitweise mehr als 7 Prozent auf 11,76 Euro.

Weiterhin ungelöst bleibt der Tarifkonflikt um die rund 18 000 Lufthansa-Flugbegleiter, deren erster Streik im Sommer das Unternehmen bereits 33 Millionen Euro gekostet hat. Lufthansa hält an dem Plan fest, zum Jahreswechsel die europäischen Direktverkehre unter der tariflich günstigeren Marke Germanwings zu vereinigen. Die Schlichtungsgespräche mit der Kabinengewerkschaft Ufo laufen.

Für die letzten Monate 2012 und das kommende Jahr rechnen die großen deutschen Flughäfen mit einem geringeren Zuwachs bei den Passagierzahlen und einem insgesamt schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld. Die seit Anfang 2011 fällige Ticketsteuer für Starts von deutschen Flughäfen sei «das größte Wachstumshemmnis», sagte Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV), in Berlin. Das Wachstum werde auch durch die Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise gehemmt. Der Verband kündigte an, seine bisherige Prognose von einem Passagierplus von 2,6 Prozent für dieses Jahr zu senken. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Reisenden an den 22 internationalen Verkehrsflughäfen um drei Prozent auf 198,2 Millionen gestiegen.