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Medien: GE will Siemens im Alstom-Poker mit neuem Angebot ausstechen

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Poker um Alstom
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Der Übernahmepoker um Alstom geht in die nächste Runde. Foto: Etienne Laurent Foto: dpa

Paris (dpa) - Der amerikanische Siemens-Rivale General Electric gibt sich im Kampf um den französischen Industriekonzern Alstom noch nicht geschlagen. Nach Informationen amerikanischer und französischer Medien arbeitet GE an einem verbesserten Angebot.


Damit sollen Siemens und dessen japanischer Partner Mitsubishi Heavy Industries (MHI) doch noch ausgestochen werden. Noch in dieser Woche könnte die versüßte Offerte demnach offiziell vorgelegt werden.

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Die endgültige Entscheidung über die Zukunft von Alstom muss der Verwaltungsrat des Unternehmens treffen. Der Vorstandsvorsitzende Patrick Kron gilt als erbitterter Gegner eines Geschäftes mit Siemens.

Ob Großaktionäre wie Martin Bouygues seinem Kurs folgen wollen, ist allerdings keinesfalls sicher. Wichtig ist auch die Haltung der französischen Regierung, die sich kurz vor der heißen Phase des Bieterwettbewerbs noch ein Vetorecht bei Übernahmen gesichert hatte.

Zwar soll der Kaufpreis stabil bleiben, doch General Electric ist den Berichten zufolge zu anderen Zugeständnissen bereit. Nach einem Bericht der Tageszeitung «Le Figaro» will der US-Konzern unter anderem akzeptieren, nur einen Teil des Stromnetzgeschäfts der Franzosen zu bekommen.

Zudem soll es Gespräche über einen Verkauf des GE-Geschäfts mit Bahnsignaltechnik an Alstom geben; oder die Amerikaner könnten den Zweig in eine Gemeinschaftsfirma mit den Franzosen einbringen. Darüber berichtete auch das «Wall Street Journal» unter Berufung auf eingeweihte Personen.

Die Bahnsparte von Alstom, zu der die Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ TGV zählen, soll ohnehin bei den Franzosen verbleiben. Sie ist bei den Kaufangeboten von Siemens/MHI und General Electric ausgeklammert. Die Regierung in Paris wünscht sich eine Stärkung des Geschäftsfeldes.

Schon am Dienstag hatte die «Financial Times» von Vorbereitungen über ein besseres Angebot berichtet, etwa durch Arbeitsplatzgarantien. Allerdings hatte GE deutlich gemacht, sich nicht auf eine Bieterschlacht einlassen zu wollen.

Ursprünglich hatte GE angeboten, für 12,35 Milliarden Euro die komplette Energietechniksparte von Alstom zu übernehmen. Die mit einem Veto-Recht ausgestattete Regierung in Paris sieht dies allerdings als negativ für den Industriestandort Frankreich und fordert Nachbesserungen. GE wolle seine neuen Vorschläge am Freitag öffentlich machen, berichtete der «Figaro» unter Berufung auf ungenannte Quellen.

Eine Allianz des Münchner Elektrokonzerns Siemens mit Mitsubishi Heavy Industries tritt gegen GE im Kampf um Alstom an. Die beiden Unternehmen hatten am Montag ein Angebot vorgelegt, das in erster Linie eine Komplettübertragung des Alstom-Gasturbinengeschäfts an Siemens vorsieht. MHI will sich an anderen Alstom-Sparten über Joint Ventures beteiligen und an der Muttergesellschaft bis zu 10 Prozent erwerben. Das stark verschuldete französische Unternehmen gilt als zu klein, um langfristig alleine auf dem Weltmarkt bestehen zu können.

Siemens-Chef Joe Kaser und MHI-Amtskollege Shunichi Miyanaga hatten am Dienstag intensiv um die Unterstützung der Franzosen geworben. So standen sie Staatschef François Hollande und Mitgliedern der Regierung und des Parlaments Rede und Antwort. Parallel liefen aber auch die Gespräche mit GE weiter. Die Zeit drängt: Das derzeitige GE-Angebot gilt nur noch bis zum 23. Juni.