weather-image

Licht und Schatten in Spanien: Zinsdruck sinkt

Madrid/Frankfurt (dpa) - Die Aussicht auf massive Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt weiter Wirkung: Am Dienstag konnte sich das angeschlagene Euro-Schwergewicht Spanien günstiger frisches Geld bei Investoren besorgen.

Spanische Bank
Die faulen Kredite in spanischen erreichten nach Angaben der Notenbank im Juli ein Rekordvolumen von knapp 170 Milliarden Euro, 45 Milliarden mehr als ein Jahr zuvor. Foto: Kiko Huesca / Archiv Foto: dpa

Dennoch steigt die Skepsis der Marktteilnehmer. Madrid spielt beim Antrag auf EZB-Hilfe weiter auf Zeit und die ausfallbedrohten Kredite der spanischen Banken sind im Juli abermals auf Rekordhöhe gestiegen.

Anzeige

Dennoch: Bei einer Versteigerung zweier kurzlaufender Geldmarktpapiere konnte das krisengeschüttelte Land von der jüngsten Entspannung in der Schuldenkrise profitieren. Für zwei Schuldtitel mit Laufzeiten von 12 und 18 Monaten musste der spanische Staat Renditen von 2,835 und 3,072 Prozent bieten. Das waren 0,235 beziehungsweise 0,263 Prozentpunkte weniger als bei vergleichbaren Auktionen im August. Die Nachfrage nach den Papieren blieb hoch. Dementsprechend konnte der spanische Staat mit knapp 4,6 Milliarden Euro sogar etwas mehr Geld aufnehmen als eigentlich geplant war.

Trotz der geglückten Geldmarktauktion ist das Misstrauen an den Sekundärmärkten, wo Investoren bereits ausgegebene Staatsanleihen handeln, zuletzt wieder gestiegen: War der Zins für zweijährige Anleihen seit Ende Juli massiv von rund 6,5 Prozent auf etwa 2,6 Prozent gesunken, ist er zuletzt wieder auf 3,2 Prozent gestiegen. Bei längerlaufenden Staatstiteln geht die Entwicklung in die gleiche Richtung. Den Grund sehen Experten in der zögerlichen Haltung Spaniens. Nach wie vor ist unklar, ob sich das Land vollständig unter den Rettungsfonds flüchten wird oder nicht.

Die abwartende Position Madrids machte Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaría am Dienstag erneut deutlich. Gegenüber dem TV-Sender Telecinco sagte sie, es müsse genau abgewogen werden, was das Beste für die Gesamtheit der Spanier sei. «Europa muss die Opfer anerkennen, die wir Spanier erbringen.» Die Opposition der Sozialisten (PSOE) sprach sich indes dagegen aus, dass Spanien erneut unter den EU-Rettungsschirm schlüpft. Dies würde dem Ansehen der «Marke Spanien» Schaden zufügen, sagte PSOE-Parteichef Alfredo Pérez Rubalcaba.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hatte Madrid davor gewarnt, sich mit einer Entscheidung zu viel Zeit zu lassen. «Die Ungewissheit bedeutet ein Risiko», betonte der Vizepräsident der EU-Kommission nach Angaben der Zeitung «El País» und fügte hinzu: «Sie kann dazu führen, dass die Spannungen auf den Anleihemärkten wieder zunehmen.»

Um von der EZB Unterstützung zu erhalten, muss Spanien einen neuen Hilfsantrag in Brüssel vorlegen und weitere Auflagen mit seinen europäischen Partnern aushandeln. Der Widerstand gegen die Sparbemühungen ist in der Bevölkerung groß. Die Regierung riskiert einen Gesichtsverlust, wenn sie sich zu weiteren Einschnitten verpflichtet.

Allerdings ist die Lage kritisch, was das Spiel auf Zeit zu einem Wagnis macht: Die viertgrößte Volkswirtschaft im Euroraum droht in der Rezession zu versinken. Wie problematisch die Situation in dem unter einer geplatzten Immobilienblase leidenden Land bereits ist, zeigt unter anderem der Umfang der «faulen Kredite» in den Bilanzen der spanischen Banken. Wie die Madrider Zentralbank am Dienstag mitteilte, stieg der Anteil der nicht bedienten Kredite im Juli auf 9,86 Prozent, das waren 0,44 Prozentpunkte mehr als im Vormonat. Im Juli 2011 hatte die Säumnisrate bei 6,93 Prozent gelegen.

Die faulen Kredite erreichten nach Angaben der Notenbank im Juli ein Rekordvolumen von knapp 170 Milliarden Euro, 45 Milliarden mehr als ein Jahr zuvor. Ihr Umfang steigt seit mehr als einem Jahr kontinuierlich an. Die bedrohliche Tendenz wird vor allem auf die hohe Arbeitslosigkeit zurückgeführt, die dazu führt, dass immer mehr Spanier ihre Kredite nicht zurückzahlen können.

Mitteilung der Zentralbank, spanisch

TV-Interview