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Kreise: Rüstungsfusion geplatzt - EADS und BAE bestätigen nicht

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Die Gespräche zur Rüstungsfusion von EADS und BAE nähern sich ihrem Höhepunkt. Es wird mit einer baldigen Entscheidung gerechnet. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa

München (dpa) - Die Megafusion von EADS und BAE Systems zu einem neuen Luftfahrt- und Rüstungskonzern steht vor dem offiziellen Aus.


Frankreich und Großbritannien hätten sich nicht über die Modalitäten einigen können, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa am Dienstag in Berlin aus Kreisen, die in die Gespräche eingebunden sind. Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sprach hingegen von Fortschritten. Er räumte ein, die Ansichten der französischen, deutschen und britischen Regierungen zur möglichen Fusion seien »anfänglich unterschiedlich« gewesen. »Aber sie haben sich deutlich angenähert.«

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Beide Unternehmen bestätigten ein Ende der Fusionspläne zunächst nicht. Für den Dienstagabend oder den Mittwochmorgen wurde aber eine Mitteilung der Unternehmen über das weitere Vorgehen erwartet.

Die Fusion gilt wegen des sensiblen Rüstungsgeschäfts als höchst komplex, da sich die beteiligten Regierungen auf eine gemeinsame Linie einigen müssen. Hauptstreitpunkt war der staatliche Einfluss, den sich Deutschland und Frankreich sichern wollten. Außerdem reden Großbritannien, die USA und die EU-Kommission bei dem Zusammenschluss mit. EADS-Chef Tom Enders und BAE-Boss Ian King hatten auch öffentlich mit aller Kraft für den Plan eines neuen Rüstungsriesen geworben.

»Wir sind überrascht über die Berichte aus Berlin«, sagte ein EADS-Sprecher am Dienstag in München. Erst am Vormittag sei man darüber unterrichtet worden, dass die Gespräche zwischen Großbritannien und Frankreich über den geplanten Zusammenschluss vorangekommen seien. Beide Unternehmen wollten die Lage beraten und dann gemeinsam eine Entscheidung über mögliche weitere Schritte treffen.

Bisher verfügen Deutschland und Frankreich direkt und indirekt über jeweils gut 22 Prozent der EADS-Anteile, die deutschen Interessen nimmt dabei der Autokonzern Daimler wahr. Bei BAE Systems sind keine Staaten direkt oder indirekt Großaktionäre. Kritik an der geplanten Rüstungsehe war zuletzt aber auch vom BAE-Großaktionär Invesco gekommen.

Zugleich läuft für die Fusion die Zeit ab, denn an diesem Mittwoch endet um 17.00 Uhr Londoner Zeit (18.00 Uhr MESZ) eine Frist, bis zu der nach britischem Recht ein Zwischenergebnis der bisherigen Gespräche vorliegen muss. Allerdings können die Unternehmen auch eine Fristverlängerung beantragen.

Die Entscheidung über eine mögliche Fusion liegt nach den Worten des französischen Verteidigungsministers Le Drian ausschließlich bei den beteiligten Unternehmen. »Man hat große Fortschritte gemacht«, sagte er in Brüssel am Rande eines Nato-Ministertreffens. »Aber reichen die Fortschritte aus? Das müssen die Initiatoren des Projekts sagen.«

Auch sein britischer Amtskollege Philip Hammond sagte in Brüssel, es sei »Sache des Unternehmens« zu entscheiden, ob es bei der Londoner Börse eine Verlängerung der Frist für eine Aussage über die Fusion beantragen wolle.

Das Rüstungsgeschäft ist politisch sensibel. Staaten wollen die für die Landesverteidigung wichtigen Industriebereiche nicht zum Spielball ausländischer Investoren oder anderer Regierungen werden lassen. Auch Standorte und Jobs sind Knackpunkte. EADS ist bisher vor allem mit Airbus in der zivilen Luftfahrt stark, BAE in der Rüstungssparte.

EADS-Vorstandschef Enders und BAE-Systems-Lenker King hatten mehrfach dafür plädiert, dass die Staaten alle ihre Anteile abgeben und nur noch jeweils eine »goldene Aktie« halten, mit der sie über ein Vetorecht etwa im Fall feindlicher Übernahmen verfügen. Sie versprechen sich von einer solchen Regelung mehr Aufträge aus den USA und Asien, wo größere europäische Staatsbeteiligungen kritisch gesehen werden. Allerdings gilt eine solche Lösung gerade in Frankreich als politisch nicht durchsetzbar.