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Konjunkturschwäche lähmt Maschinenbauer

Frankfurt/Main (dpa) - Nach einem enttäuschenden Start ins Jahr haben die deutschen Maschinenbauer ihre Prognose für 2013 deutlich gesenkt.

Maschinenbau
Ein Arbeiter im MTU-Werk Friedrichshafen. Nach einem enttäuschenden Start ins Jahr haben die deutschen Maschinenbauer ihre Prognose für 2013 deutlich gesenkt. Foto: Tobias Kleinschmidt Foto: dpa

Demnach wird die Schlüsselindustrie in diesem Jahr nicht wie bisher erwartet zwei Prozent mehr, sondern ein Prozent weniger produzieren als im Vorjahr, wie der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.

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2012 hatte die exportorientierte Branche ihren Produktionsrekord von 196 Milliarden Euro aus dem Jahr 2008 nach revidierten Zahlen um 2 Milliarden Euro verfehlt.

Wichtige Rahmendaten hätten sich weniger dynamisch entwickelt als angenommen, begründete VDMA-Präsident Thomas Lindner die Korrektur: «Unser Ziel eines nochmaligen Wachstums in diesem Jahr halten wir für nicht mehr realisierbar.» Vor allem das Inlandsgeschäft mache Sorgen.

In den ersten vier Monaten des Jahres verfehlte die Produktion der Maschinen- und Anlagenbauer ihr Vorjahresniveau um 3,4 Prozent.

Daher müsse die Produktion im zweiten Halbjahr schon sehr kräftig ausgeweitet werden, um das ursprünglich geplante Plus von zwei Prozent zu erreichen. «Das ist nach aktuellem Stand der vorliegenden Bestellungen nicht zu erwarten», betonte der VDMA.

Denn der Auftragseingang lag in den ersten fünf Monaten des Jahres preisbereinigt um ein Prozent unter dem Vorjahresniveau. Dabei enttäuschten insbesondere die Inlandsorders, die um sechs Prozent zurückgingen. Die Bestellungen aus dem Ausland legten um 2 Prozent zu.

«Deutschland ist eine exportgetriebene Nation, alle Impulse kommen aus dem Ausland», sagte VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann. Allerdings reiche das kleine Wachstum aus dem Ausland noch nicht, um auch die Bestellungen aus dem Inland ins Plus zu ziehen.

Schon 2012 kam das Inlandsgeschäft nicht vom Fleck. Wortmann begründet dies mit der Krise in Europa: «Wenn es in den Partnerländern hapert, merken das unsere Kunden und bestellen weniger.»

Der Chef-Volkswirt der KfW-Bankengruppe, Jörg Zeuner, erwartet, dass die wirtschaftliche Dynamik im zweiten Halbjahr zulegt und auch die Investitionstätigkeit wieder steigt: «Trotzdem wird es bei den Unternehmensinvestitionen im Gesamtjahr kein Wachstum geben, sondern Stagnation.» 2014 dürften die Unternehmen ihre Investitionen aber wieder um bis zu 3,5 Prozent erhöhen, sagte Zeuner.

In der Schuldenkrise zögern viele verunsicherte Unternehmer ihre Investitionen hinaus. Das könne auf Dauer nicht gutgehen, warnte Lindner.

Wenn die deutschen Unternehmen ihre hohe Wettbewerbsfähigkeit zumindest halten wollten, müsse mehr investiert werden: «Es ist deshalb unumgänglich, dass die Politik den Investoren keine neuen Belastungen, beispielsweise in Form höherer oder neuer Steuern und Abgaben auferlegt.» Zudem müssten Steine wie eine schlecht gemanagte Energiewende aus dem Weg geräumt werden.

Auch wenn der Optimismus der Maschinenbauer verfrüht war: Die Branche schätzt ihre Perspektiven weiter als gut ein. Linder rechnet nach wie vor damit, dass das Wachstum im weiteren Jahresverlauf zurückkehrt: «Wir sind international hervorragend aufgestellt. Die Rücknahme der Prognose spiegelt lediglich die zu geringe wirtschaftliche Dynamik auf wichtigen Märkten in den hinter uns liegenden Monaten wider. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben.»

Hoffnung mache vor allem, dass das Exportgeschäft nach einem schwachen ersten Quartal im April wieder anzog, auch im wichtigsten Markt China sowie in den USA. Im April lagen die Ausfuhren um 4,6 Prozent über dem Vorjahr, in den ersten vier Monaten bleibt aber ein Minus von 3,2 Prozent.

Selbst das zuletzt schwierige Geschäft mit den kriselnden Euro-Partnerländern könne bald Impulse setzen, hofft der VDMA: Hier lagen die Orders in den ersten fünf Monaten 2013 preisbereinigt um sieben Prozent über dem Vorjahr. «Das schlägt sich nicht sofort bei Produktion und Umsatz nieder, aber es ist ein Expansionssignal», betonte Wortmann.

Der Maschinenbau gilt mit zuletzt 981 000 Beschäftigten als Deutschlands größter industrieller Arbeitgeber. Trotz des enttäuschenden Geschäftsverlaufs beschäftigten die Betriebe im April 3000 Menschen mehr als Ende 2012.

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