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Karstadt streicht 2000 Stellen

Essen (dpa) - Fast zwei Jahre nach der Übernahme durch den Investor Nicolas Berggruen hat der Warenhauskonzern Karstadt einen kräftigen Personalabbau angekündigt. Bis zum Ende des Jahres 2014 sollen im Zuge der Sanierung 2000 Stellen gestrichen werden.

Karstadt
Der Warenhauskonzern Karstadt will 2000 Stellen abbauen. Foto: Robert Schlesinger Foto: dpa

Das teilte das Unternehmen in Essen mit. Derzeit hat Karstadt rund 25 000 Beschäftigte. Der Stellenabbau solle bis Ende 2014 so sozialverträglich wie möglich erfolgen. Geplant seien Frühpensionierungen, die Nichtverlängerung von befristeten Verträgen sowie der freiwillige Austritt von Beschäftigten aus dem Unternehmen.

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«So schmerzhaft diese Maßnahmen für die betroffenen Mitarbeiter sind, so notwendig sind sie», sagte Karstadt-Chef Andrew Jennings laut Mitteilung. Karstadt weise noch «komplexe Altstrukturen» auf. Das Unternehmen müsse seine Strukturen und Prozesse weiter vereinfachen, um damit das Unternehmen langfristig auf die «passende Größe» zu bringen. Filialschließungen oder der Verkauf von Unternehmensteilen seien derzeit nicht geplant, sagte Jennings der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Dienstag).

Bei Karstadt läuft Ende August der Sanierungstarifvertrag aus. Mit dem Verzicht auf Gehaltsbestandteile wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld hatten die Mitarbeiter seit 2009 einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des traditionsreichen Unternehmens geleistet. Die Rückkehr zum Flächentarifvertrag beschert dem Unternehmen jährlich zusätzliche Kosten von 50 Millionen Euro.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte den angekündigten Stellenabbau scharf. «Das ist ein völlig falsches Signal an die Belegschaft und die Kunden», sagte Verdi-Sprecher Christoph Schmitz am Montagabend der dpa. Die Karstadt-Beschäftigten hätten durch den Sanierungstarifvertrag bereits erheblich zum Umbau des Warenhauskonzerns beigetragen.

Schmitz sagte, Karstadt brauche motivierte und engagierte Mitarbeiter, auch für die nötige fachliche Beratung. Statt Stellen zu streichen, müssten die Unternehmensführung und Investor Berggruen mehr Geld in die Modernisierung investieren. Dies gelte vor allem für die klassischen Warenhäuser. Die Gewerkschaft wolle erreichen, dass möglichst viele Stellen erhalten bleiben.

Karstadt selbst verwies auch auf «herausfordernde Marktbedingungen» der Euro-Schuldenkrise. Sowohl das Management als auch Eigentümer Berggruen seien «fest entschlossen, Karstadt durch ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld zu steuern», sagte Jennings. Beide blieben dem Unternehmen langfristig verbunden.

Auch Metro-Chef Olaf Koch hatte in der vergangenen Woche auf Probleme seines Unternehmens durch die Euro-Krise hingewiesen. «Die Euro-Krise verdirbt den Deutschen die Kauflust», hatte Koch in einem Interview erklärt.

Berggruen hatte Karstadt im Jahr 2010 nach einer Bieterschlacht aus der Insolvenz übernommen. Seitdem seien 160 Millionen Euro in die Häuser, die Technik und die Infrastruktur investiert worden, hieß es in der Mitteilung. Das Investitionsprogramm solle weiter vorangetrieben werden. Die Modernisierung des Filialnetzes solle fortgesetzt werden.

Mitteilung Karstadt