weather-image
29°

Karstadt hält an Sanierungskurs fest und will Umbautempo erhöhen

0.0
0.0
Berggruen
Bildtext einblenden
Dass die Karstadt-Sanierung so schwierig wird, hatte sich Nicolas Berggruen wohl nicht vorgestellt. Foto: Julian Stratenschulte/Archiv Foto: dpa

Essen (dpa) - Kein Kurswechsel bei Karstadt: Der scheidende Vorstandschef Andrew Jennings hält an der Umbaustrategie fest und will die Sanierung des Warenhauskonzerns noch beschleunigen. «Wir werden in den kommenden Monaten das Tempo unseres Marathons steigern», sagte Vorstandschef Andrew Jennings am Donnerstag nach einer Aufsichtsratssitzung bei der Karstadt Warenhaus GmbH laut einer Mitteilung. Der Manager kündigte «sehr aufregende Entwicklungen» an. Als Beispiele nannte er die Einführung neuer Marken und sowie «nationale Marketingkampagnen im September und Oktober».


Karstadt befinde sich unter sehr schwierigen Marktbedingungen in einem fundamentalen Transformationsprozess, sagte Jennings weiter. So habe das Management Entscheidungen treffen müssen, die kurzfristig negative Effekte auf Umsatz und Ertrag hätten, «aber notwendig für die langfristige Gesundung des Unternehmens sind». Jennings nannte etwa den Ausstieg aus den «verlustbringenden» Abteilungen Multimedia, Licht oder Drogerie.

Anzeige

Das Unternehmen will am Ausstieg aus der Tarifbindung festhalten.
«Um die Gesundung des Geschäfts sicherzustellen, braucht Karstadt eine Tarifpause», sagte Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz laut der Mitteilung. Ziel des Managements sei, mit den Betriebsräten ein Dokument zu verhandeln, in dem der Status Quo inklusive des Manteltarifvertrags garantiert werde.

Karstadt war im Mai vom regionalen Arbeitgeberverband in die Verbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung gewechselt. Das Management will die bisher geltende Tarifverträge weiter anwenden, kommende Tariferhöhungen in der Branche aber nicht umsetzen.

Weitere Themen der Aufsichtsratssitzung wurden zunächst nicht bekannt. Beobachter vermuten, dass auch der anstehende Wechsel an der Karstadt-Spitze zur Sprache kam. Das Unternehmen hatte am vergangenen Wochenende den Abgang von Jennings zum Jahresende 2013 bekannt gegeben. Für Karstadt muss nach Ansicht von Aktionärsschützer Marc Tüngler so schnell wie möglich ein neuer Konzernchef gefunden werden. «Jeder Tag, an dem das Thema nicht vom Tisch ist, ist für Karstadt ein verlorener Tag», sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Donnerstag der dpa.

Auf Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen steigt derweil der Druck, die schwierige Sanierung der Warenhauskette mit Investitionen
zu beschleunigen. Nach der Gewerkschaft Verdi forderte mit dem
Hemdenhersteller Olymp auch ein industrieller Partner von Karstadt Berggruen zu Investitionen auf. «Es ist ein Problem, dass nichts investiert wird, auch nicht vom Eigentümer Berggruen, das muss sich dringend ändern», sagte der geschäftsführende Gesellschafter des schwäbischen Textilproduzenten, Mark Bezner, der «Süddeutschen Zeitung» (Donnerstag). Der «Investitionsstau», der in zahlreichen Karstadt-Filialen herrsche, müsse aufgearbeitet werden.

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger schlug am Donnerstag vor der Aufsichtsratssitzung in die gleiche Kerbe: Die Beschäftigten erwarteten zu Recht, dass Berggruen mit eigenen Investitionen die Modernisierung des Unternehmens beschleunige. Laut Verdi haben die Beschäftigten über acht Jahre lang durch den Verzicht auf Teile ihres Entgelts mehr als 650 Millionen Euro in das Warenhausunternehmen investiert. Die Gewerkschaft fordert, die Unternehmensstrategie zu überprüfen. Auch der bereits weitgehend umgesetzte Abbau von 2000 Arbeitsplätzen und der Ausstieg aus der Tarifbindung gehörten auf den Prüfstand.

Berggruen hatte kürzlich eingeräumt, die Probleme bei der Übernahme 2010 unterschätzt zu haben: «Ich habe nicht gewusst, wie krank Karstadt nach 20 Jahren Missmanagement wirklich war. Die Herausforderungen sind noch größer und noch anstrengender», sagte er der «Bild»-Zeitung Anfang vergangener Woche. Das Unternehmen hinke bei vielen Dingen hinterher, etwa bei den Einkaufssystemen. Er stehe bereit, frisches Geld einzubringen, wenn es helfen würde. Aber entscheidend sei der Wandel im Unternehmen selbst, betonte Berggruen. Bei der Sanierung sei etwa die Hälfte des Weges bewältigt.