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Japans Zentralbank lockert Geldpolitik: Aktien ziehen an

Tokio (dpa) - Die japanische Zentralbank hat die Märkte mit einer drastischen Lockerung der geldpolitischen Zügel überrascht. Die Bank of Japan (BoJ) kündigte am Mittwoch eine Aufstockung des Programms zum Kauf von Anleihen an.

Börse
Der Nikkei in Tokio stieg auf den höchsten Stand seit vier Monaten. Foto: Everett Kennedy Brown Foto: dpa

Das Volumen werde von zuletzt 70 Billionen Yen auf 80 Billionen Yen (derzeit etwa 778 Mrd Euro) erhöht. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte legte daraufhin an der Börse in Tokio um rund 1,2 Prozent auf 9232,21 Punkte zu, der höchste Schlussstand seit vier Monaten. Nicht alle Ökonomen hatten mit der BoJ-Entscheidung gerechnet. Finanzminister Jun Azumi begrüßte den Schritt der BoJ. Dies sei mehr als man erwartet habe.

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Die japanischen Währungshüter folgten damit der geldpolitischen Lockerung ihrer Kollegen in Europa und den USA. Sie wollen damit die Konjunktur ankurbeln und die Deflation mit andauernd fallenden Preisen bekämpfen. Weil die Zinsen seit langer Zeit knapp über Null verharren, ist die Aufstockung ihres Anleihekaufprogramms das wichtigste Instrument für die BoJ. Zudem wurde die Frist für das Programm um sechs Monate bis Ende 2013 verlängert. Die geldpolitische Lockerung erfolgte angesichts einer zunehmenden Stagnation der Wirtschaft. Die Rückkehr zu einer moderaten Erholung werde sich wahrscheinlich um ein halbes Jahr verzögern, sagte BoJ-Gouverneur Masaaki Shirakawa.

Angesichts der Eurokrise und der Lage der US-Wirtschaft bestehe ein hohes Maß an Unsicherheit über die Weltwirtschaft, erklärte die BoJ. Nach Meinung von Analysten könnte die BoJ bei ihrer Entscheidung auch die Abkühlung der Wirtschaft Chinas mit berücksichtigt haben. Die weitere Lockerung der ohnehin schon extrem expansiven Geldpolitik der BoJ zielt nach Meinung von Ökonomen zudem darauf ab, den Yen zu schwächen. Nachdem der Dollar kürzlich zum Yen auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten gefallen war, hatte Finanzminister Azumi mit einem Eingreifen an den Devisenmärkten gedroht. Der starke Yen belastet immer mehr Japans exportorientierte Wirtschaft.