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IWF: USA droht lange wirtschaftliche Durststrecke

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Internationaler Währungsfonds
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Den IWF-Experten zufolge sind politische Reformen nötig, um die US-Konjunktur anzukurbeln. Foto: Jim Lo Scalzo Foto: dpa

Washington (dpa) - Die USA müssen sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf eine lange wirtschaftliche Durststrecke einrichten.


Das Wachstum werde in den kommenden Jahren im Mittel wohl nur rund 2 Prozent betragen und damit klar unter dem historischen Schnitt bleiben, erklärte der IWF in einem am Montag in Washington veröffentlichen Bericht.

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Die weltgrößte Volkswirtschaft müsse zahlreiche politische Reformen in Angriff nehmen, um die Konjunktur wieder auf Trab zu bringen, meint der Währungsfonds. Zudem könnte es für die Notenbank Federal Reserve (Fed) sinnvoll sein, länger als geplant an der faktischen Nullzinspolitik festzuhalten.

Für dieses Jahr rechnet der IWF für die USA nur noch mit einem Wachstum von 2 Prozent - bislang war er von 2,8 Prozent ausgegangen. Grund für die Abwärtskorrektur sei der starke Einbruch der Konjunktur im ersten Quartal, der vor allem dem extrem harten Winter geschuldet sei. IWF-Chefin Christine Lagarde betonte aber, dass auch andere Probleme auftraten, etwa die Schwäche auf dem Immobilienmarkt.

Die IWF-Volkswirte glauben nicht, dass der schlechte Start bis Jahresende aufgeholt werden kann. 2015 sehe die Lage aber besser aus. Das Bruttoinlandsprodukt lege dann voraussichtlich um 3 Prozent zu. Die Arbeitslosenquote soll von heute 6,3 Prozent relativ langsam auf 5,9 Prozent sinken.

Eine sogenannte Vollbeschäftigung werde nicht vor Ende 2017 erreicht. Daher könne die Fed gut beraten sein, länger an ihren historischen Niedrigzinsen zwischen null und 0,25 Prozent festzuhalten, um die Wirtschaft anzukurbeln. Bislang rechnen die Märkte damit, dass die Notenbank Zinserhöhungen für Mitte 2015 anpeilt.

Die Fed entscheidet an diesem Mittwoch wieder über ihre Geldpolitik. Trotz der schlechten Daten im ersten Quartal rechnen viele Fachleute nicht mit einer Änderungen des Kurses, ihre Konjunkturprogramme langsam zurückzufahren. Das Minus beim BIP zwischen Januar und März wurde bislang gemeinhin als vorübergehende Schwäche bewertet.

Der IWF rief die Fed erneut auf, ihre kommenden Schritte ganz klar und offen zu kommunizieren, um Turbulenzen auf den weltweiten Aktienmärkten zu vermeiden. Selbst bei einer guten Begründung für Zinserhöhungen bestehe das Risiko «starker Schwankungen» an den Börsen. Diese Volatilität dürfe nicht außer Kontrolle geraten.

Um aus ihrem langfristigen Tief herauszukommen, müsse die USA zahlreiche Reformen anstoßen, so der IWF. Langzeitarbeitslosigkeit und die um sich greifende Armut müsse abgebaut werden. Notwendig seien auch Investitionen in die Infrastruktur und Bildung sowie eine deutliche Verschlankung des Steuerrechts. Bevor auf lange Sicht das Schuldenproblem des Staates angegangen werde, seien kurzfristig mehr Ausgaben für Konjunkturmaßnahmen notwendig.

IWF-Bericht zur USA