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IWF: Eurokrise bremst Wachstum in China

Washington (dpa) - Die anhaltende Eurokrise bedroht nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) das robuste Wirtschaftswachstum in China.

IWF: Eurokrise bremst Wachstum in China
Arbeiter bei der Fertigung einer Windkraftanlage in Hebei: Das chinesische Wachstum verliert an Fahrt. Die größte Gefahr für Peking von außen ist die Eurokrise, meint der IWF. Foto: Adrian Bradshaw/Archiv Foto: dpa

Die europäische Schuldenkrise stelle derzeit das größte externe Risiko für die Konjunktur der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft dar, warnt der IWF in seinem Jahresbericht zu China. Der Währungsfonds rechnet für dieses Jahr mit acht Prozent Wachstum in China. Zugleich ermahnt er Peking zu weiteren Reformen - und zu weiteren Aufwertungsschritten.

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Falls Peking keine wirtschaftspolitischen Gegenmaßnahmen ergreifen sollte, könnte das Wachstum um bis zu vier Prozentpunkte fallen. Bereits derzeit belaste die Eurokrise die Stimmung von Investoren und Konsumenten in China, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.

Ausdrücklich kritisierten die IWF-Experten dabei «den bisherigen Mangel einer hinreichend starken politischen Antwort innerhalb Europas» auf die Krise. Eine zweite Unsicherheit für Peking sei die US-Konjunktur.

Allerdings räumt der IWF ein, dass Peking wegen seiner Geldreserven erheblichen Spielraum für ein entschlossenes Gegensteuern zur Verfügung habe.

Es handelt sich um die zweite Warnung dieser Art in nur wenigen Tagen. So mahnte der neue Weltbankchef Jim Yong Kim kürzlich, die Eurokrise könnte viele Dritte-Welt-Länder in einen Abwärtsstrudel ziehen. Ein Wachstumseinbruch in den meisten Regionen der Welt um bis zu 1,5 Prozent sei zu befürchten - selbst dann, wenn es gelingen sollte, die Krise einzudämmen.

Die Führung in Peking habe zwar zunächst bewusst eine Abkühlung des Wachstums eingeleitet, meint der IWF. Angesichts der weltweiten negativen Einflüsse müsse die Regierung nun aber handeln. «Die Regierung hat den Fuß zwar von der Bremse genommen, hat aber noch nicht aufs Gaspedal getreten», sagte der IWF-Chinaexperte Markus Rodlauer in Washington.

Wichtigste kurzfristige Aufgabe für Peking sei es, nach den rasanten Wachstumschüben der vergangenen Jahre «eine sanfte Landung hinzukriegen», betonte Rodlauer.

Nach acht Prozent in diesem Jahr rechnet der IWF mit 8,5 Prozent Wachstum im nächsten Jahr. Die Inflation dürfte dieses Jahr bei 3 bis 3,5 Prozent liegen, im nächsten Jahr auf 2,5 bis 3 Prozent zurückgehen.

Kritisch ging die in Washington ansässige Organisation mit der Wechselkurs-Politik Pekings ins Gericht. Zwar begrüßte der IWF die bisherigen Schritte zur Wechselkursanpassung. Die chinesische Währung sei aber weiterhin «gemäßigt unterbewertet». «Weitere Schritten müssen folgen», sagte Rodlauer.

Erneut betonten die IWF-Experten den weiteren Reformbedarf in China. Dazu gehöre eine Ankurbelung des Konsums, der Aufbau eines sozialen Netzes sowie die Öffnung des Dienstleistungssektors und eine Reform des Finanzsektors.

IWF-Bericht zu China