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Herbstaufschwung drückt Arbeitslosigkeit fast auf Tiefstmarke

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Die Bundesagentur für Arbeit gibt die Arbeitslosenzahlen für November bekannt. Foto: Sebastian Kahnert Foto: dpa

Nürnberg/Berlin (dpa) - So viele Beschäftigte wie nie. Der kräftige Herbstaufschwung brachte auf dem Arbeitsmarkt Rekorde. Der Ausblick für 2015 fällt bei der Bundesagentur für Arbeit aber deutlich zurückhaltender aus.


Trotz des kräftigen Herbstaufschwungs rechnet die Bundesagentur für Arbeit (BA) 2015 nur mit einer verhaltenen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erwerbslosen werde mit voraussichtlich 2,904 Millionen im Jahresschnitt lediglich um rund 20 000 sinken - nach voraussichtlich 50 000 in diesem Jahr.

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Es zeichne sich ab, dass im kommenden Jahr nicht mehr so viele neue Arbeitsplätze entstehen wie zuletzt. »Wir haben ein so hohes Niveau. Weitere Steigerungsraten halte ich für unrealistisch«, sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise am Donnerstag.

Im November gab es in Deutschland so viele Beschäftigte wie nie zuvor. Ihre Zahl kletterte erstmals über die 43-Millionen-Marke, berichtete das Statistische Bundesamt.

Die ausklingende Herbstbelebung drückte die Zahl der Arbeitslosen im November mit 2,717 auf ein Drei-Jahres-Tief - die historische Tiefstmarke von 1991 verfehlte der deutsche Arbeitsmarkt nur knapp. Damit waren 16 000 weniger Menschen auf Stellensuche als im Oktober. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Erwerbslosigkeit um 89 000 zurück. Die Arbeitslosenquote lag unverändert bei 6,3 Prozent.

Zugleich rangiert Deutschland bei der Bekämpfung der Erwerbslosigkeit nach jüngsten Daten zum ersten Mal europaweit auf Platz eins. Bei der niedrigsten Arbeitslosenquote löste Deutschland laut der europäischen Statistikbehörde im September den langjährigen Spitzenreiter Österreich ab.

Bei der sogenannten Erwerbstätigenquote habe Deutschland im zweiten Quartal nach Schweden einen Spitzenplatz eingenommen: Mit 77,5 Prozent war der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung so hoch wie in fast keinem anderem EU-Land.

Die Zahlen machen nach Ansicht von BA-Chef Weise deutlich, dass sich der deutsche Job-Markt selbst in einem schwierigen Konjunkturumfeld gut behauptet: »Der Arbeitsmarkt hat sich gut entwickelt - und dass obwohl die deutsche Wirtschaft kaum noch wächst.« Viele Unternehmen bauten wegen der knapper werdenden Fachkräfte selbst bei Auftragsflauten keine Stellen ab.

Noch nicht ganz abzuschätzen sind nach Weises Angaben die Auswirkungen der im Juli eingeführten Rente mit 63. Seit Juni sei die Zahl der Beschäftigten in dieser Altersgruppe um rund 20 000 gesunken. Allerdings sei unklar, ob dieser Effekt allein auf die Rente mit 63 zurückzuführen sei.

Zugleich räumte der BA-Vorstand weiter Probleme bei der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit ein. Zwar habe die Zahl der Menschen, die mindestens ein Jahr arbeitslos sind, seit dem Start der Hartz-IV-Reform im Jahr 2005 deutlich abgenommen, sagte Vorstandsmitglied Heinrich Alt. In den vergangen zwei bis drei Jahren habe es allerdings kaum noch Fortschritte gegeben.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) kündigte an, sie werde die gute Arbeitsmarktlage mit längerfristig wirksamen Hilfen für benachteiligte Gruppen unterstützen. Ziel sei, »dass wir diese hohe Beschäftigung weiter verstetigen und halten«. So ziele eine Initiative zur Fachkräftesicherung vor allem auf Frauen, Ältere und Migranten. Vielen jungen Menschen müsse außerdem besser beim Übergang von der Schule in die Ausbildung geholfen werden.

Kritisch beurteilten hingegen die Oppositionsparteien im Bundestag die Arbeitsmarktlage. Nach Einschätzung der Linken-Politikerin Sabine Zimmermann ist die »Entwicklung des Arbeitsmarktes nach wie vor schwach«. Noch immer fänden erwerbslose Menschen viel zu selten einen Job am ersten Arbeitsmarkt. Auch gelänge es seit längerem nicht, die Zahl der Langzeitarbeitslosen zu reduzieren.

Die Grünen-Abgeordnete Brigtte Pothmer warf Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor, mit Verordnungen die Wirksamkeit des Mindestlohns etwa bei Paketzustellern und dem Gütertransport zu torpedieren.

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