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Fed eröffnet neues Kapitel im Kampf gegen Konjunkturflaute

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Ben Bernanke
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Fed-Chef Ben Bernanke greift wieder einmal in den Geldmarkt ein. Foto: Jim Lo Scalzo Foto: dpa

Washington (dpa) - Die amerikanische Notenbank (Fed) pumpt im Kampf gegen die hohe US-Arbeitslosigkeit weitere Milliarden in die Wirtschaft. Die dritte geldpolitische Lockerung innerhalb von knapp vier Jahren solle verhindern, dass die US-Konjunktur stagniere, sagte der Fed-Chef Ben Bernanke.


Unter anderem will die Zentralbank 40 Milliarden Dollar (rund 31 Milliarden Euro) monatlich in Hypothekenpapiere investieren - und zwar so lange, bis sich der Jobmarkt nachhaltig erholt hat. Zudem will sie bis Mitte 2015 an ihrer faktischen Nullzinspolitik festhalten.

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Das von der Federal Reserve zusätzlich bereitgestellte Geld kommt laut Experten vor allen den Banken zu Gute. Sie können dadurch mehr Kredite zu günstigeren Zinsen vergeben und so die Konjunktur ankurbeln. Ökonomen sprechen von einem neuen Kapitel im Kampf gegen die anhaltende Wirtschaftsflaute in der weltgrößten Volkswirtschaft. Bernanke mahnte allerdings, dass seine Institution nicht über Wunderwaffen verfüge. Vor allem die Politik müsse gegen die Schwäche auf dem Arbeitsmarkt angehen. «Wir versprechen nicht, alle Probleme zu lösen», sagte er. «Aber wir können sie dabei unterstützen.»

Die Fed senkte am Donnerstag zudem ihre Wirtschaftsprognose für die USA. Sie rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum von 1,7 bis 2,0 Prozent. Frühere Schätzungen gingen von 1,9 bis 2,4 Prozent aus. Für 2013 und 2014 erhöhte sie ihren Ausblick dagegen. Ferner erwartet die Notenbank nicht, dass die US-Arbeitslosenquote in diesem Jahr unter acht Prozent fallen wird. Sie liegt bereits seit mehr als dreieinhalb Jahren über diesem historisch hohen Wert. Erst nach 2014 könnte sie unter sieben Prozent fallen, hieß es weiter.

Es würden weitere Wertpapiere gekauft, zusätzlich Vermögenswerte erworben und weitere geldpolitische Maßnahmen ergriffen, «wenn der Ausblick auf dem Arbeitsmarkt sich nicht wesentlich verbessert», hieß es in der ungewöhnlich klaren Mitteilung des Offenmarktausschusses. Von zusätzlichen Käufen von Staatsanleihen nahm sie aber zunächst Abstand. Die Finanzmärkte überraschte die Fed mit der Aussage, ihre expansive Geldpolitik auch nach einer Verbesserung der Konjunkturlage fortsetzen zu wollen. Die expansive Geldpolitik werde «nicht übereilt» gestrafft, sagte Bernanke.

Fed-Chef Bernanke hatte die wirtschaftliche Entwicklung in den USA jüngst mehrfach als unbefriedigend bezeichnet. Die am vergangenen Freitag veröffentlichte Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent unterstrich seine tiefe Besorgnis vor einer zu langsamen Erholung. Die Euro-Krise wie die Abschwächung der globalen Konjunktur nannte er ebenfalls immer wieder als Gefahren für die US-Wirtschaft.

Ausdrücklich rief er die US-Politiker am Donnerstag auf, die bevorstehenden Haushaltsprobleme zu lösen. Zum Jahreswechsel stehen in den USA automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen an, die der Wirtschaft sehr schaden könnten, wenn der Kongress sie nicht rechtzeitig stoppt. Auch die neuen Fed-Maßnahmen könnten den Effekt eines solchen «haushaltspolitischen Schocks» nicht ausgleichen, meinte Bernanke.

Die Fed hatte in der seit fünf Jahren anhaltenden durchwachsenen Wirtschaftslage bereits zwei Mal die Märkte mit billigem Geld geflutet. Ende 2008 begann sie mit dem Erwerb von langlaufenden Staatsanleihen, Schuldverschreibungen und Hypothekenpapieren von mehr als 1,7 Billionen Dollar (rund 1,3 Billionen Euro). Im November startete sie eine zweite Runde mit Anleihekäufen für rund 600 Milliarden Dollar. Zudem geht die Notenbank noch bis Jahresende mit der «Operation Twist» gegen die schwache Konjunktur vor. Sie tauscht dabei kurzfristig fällige Anleihen gegen langlaufende Papiere, um auch langfristige Zinsen zu drücken.

Fed-Statement