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Europäische Herausforderung für Huawei

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Ein Mann geht an einem Huawei-Laden vorbei. Foto: Ng Han Guan/AP/Illustration Foto: dpa

Die USA werfen Huawei Spionage für Peking vor und üben Druck auf europäische Länder aus, keine Geschäfte mehr mit dem chinesischen Telekom-Unternehmen zu machen. Bisher haben sie damit wenig Erfolg.


Shenzhen (dpa) - An einem Freitagmittag im Juni überquert eine Gruppe Huawei-Mitarbeiter einen Nachbau der Alten Brücke von Heidelberg auf dem Weg zu einer Cafeteria nahe eines falschen Versailler Schlosses.

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Auf der 120 Hektar großen Fläche des neuen Firmencampus in den Bergen vor der Stadt Shenzhen im Südosten Chinas stehen Repliken von Gebäuden aus zwölf europäischen Städten. Sie zeigen, wie sehr der Firmengründer Ren Zhengfei Europas Kultur schätzt.

Doch jetzt steht der weltgrößte Netzwerkausrüster auf dem alten Kontinent vor einer besonderen Herausforderung. Inmitten seines Handelskriegs mit den USA bewirbt sich das chinesische Unternehmen in Europa um Verträge für den Aufbau des 5G-Netzes.

Washington wirft Huawei vor, es helfe der Regierung in Peking, andere Länder auszuspionieren. Die USA üben Druck auf ihre europäischen Verbündeten aus, deshalb nicht mehr mit dem chinesischen Unternehmen zusammenzuarbeiten. Damit haben sie bisher nur begrenzten Erfolg. Huawei und Peking weisen die Vorwürfe zurück.

Wenn es um das richtige Unternehmen für den Ausbau der 5G-Infrastruktur geht, wiegen europäische Regierungen und Telekommunikationsfirmen ihre Optionen vorsichtig ab. Ihre Entscheidung kann bedeutende wirtschaftliche Auswirkungen haben. Die 5G-Technologie ist bis zu 100 Mal schneller als 4G. Sie soll unter anderem superschnelle Verbindungen für digitalisierte Fabriken, fahrerlose Autos und smarte Haushaltsgeräte schaffen.

»Das führende 5G-Unternehmen wird im Lauf der kommenden zehn Jahre Hunderte Milliarden Dollar verdienen. Dazu kommen viele neue Jobs im gesamten Sektor drahtlose Technologie«, heißt es in einem Experten-Bericht für das US-Verteidigungsministerium.

Huawei hatte im vergangenen Jahr mit 40 Prozent den größten Marktanteil unter den Netzwerkausrüstern in Europa, im Nahen Osten und in Afrika, gefolgt von dem schwedischen Unternehmen Ericsson mit 36, Chinas ZTE mit 11 und Nokia aus Finnland mit 10 Prozent. Doch im Mai erlitt die Firma einen Rückschlag, als Washington Huawei auf eine schwarze Liste von Unternehmen setzte, mit denen US-Firmen nur unter besonderen Auflagen Handel treiben dürfen.

Im Juni reduzierte Ren die Umsatzprognose für Huawei in den kommenden zwei Jahren um 30 Milliarden Dollar. Im ersten Habjahr wuchs der Umsatz des Konzerns zwar noch deutlich. Konkrete Angaben dazu, wie das Geschäft durch die US-Santionen bereits gelitten hat, machte Huawei bei der Vorlage der Zahlen in dieser Woche allerdings nicht. Es seien noch viele Löcher zu stopfen, sagte Verwaltungsratschef Liang Hua. Dafür wolle das Unternehmen massiv investieren.

Bei seinen Geschäftspartnern in Europa könne Huawei nicht viel mehr tun, als auf den Vertrauensbonus der vergangenen 15 Jahre zu setzen und für mehr Transparenz zu sorgen, heißt es bei dem Unternehmen. Zu diesem Zweck hat Huawei an Orten wie Brüssel, Bonn oder im britischen Banbury mehrere Zentren für Cybersicherheit angesiedelt, wo Regierungen seine Produkte testen können.

»Ich arbeite seit 20 Jahren für diese Firma und ich würde sagen, dass dies die schlimmste und die schwierigste Zeit für Huawei ist«, sagt der Geschäftsführer für Westeuropa, Vincent Peng. Die Stimmung der Mitarbeiter sei aber weiter gut.

Ein Ausschuss des britischen Parlaments kam jüngst zu dem Schluss, dass es keine technischen Gründe für ein Verbot von Huawei gebe. Betreiber wurden jedoch angewiesen, Huawei aus Sicherheitsgründen vom »Kern« ihrer Netzwerke fernzuhalten. So haben einige Mobilfunkanbieter in Großbritannien bereits mit dem Ausbau ihrer 5G-Dienste mit Huawei-Zubehör begonnen.

Huawei hat zudem 5G-Verträge in Italien, Monaco, Spanien, der Schweiz, den Niederlanden und anderen europäischen Ländern, wo das Unternehmen laut seinem Sprecher Joe Kelly über Geheimhaltungsverträge verfügt. Insgesamt hat das Unternehmen mehr als 50 5G-Verträge weltweit, 28 davon in Europa.

Länder wie Deutschland sind noch unsicher, ob sie Huawei ihre Mobilfunknetze anvertrauen wollen. Anders als Australien, Neuseeland oder Japan hat aber bisher kein europäischer Staat auf die Bitte der USA hin ein Verbot ausgesprochen. »(Europäische) Länder mögen es nicht, wenn man ihnen diktiert, was sie tun sollten, wenn es sich negativ auf die Qualität ihrer technischen Infrastruktur auswirkt«, sagt der Strategieprofessor Michael Jacobides von der Londoner Business School.

Nach Meinung deutscher Experten ist Huawei bei der 5G-Technik der Konkurrenz rund zwei Jahre voraus. Die Manager des Unternehmens führen das auf Milliardeninvestitionen in Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren zurück. Die USA werfen Huawei unterdessen vor, Geschäftsgeheimnisse von Wettbewerbern wie T-Mobile gestohlen zu haben.

Sollte die US-Kampagne gegen Huawei Erfolg haben, könnte diese zu einem »Eisernen Technologie-Vorhang« mit unterschiedlichen Standards zwischen Ost und West führen, warnen Experten. Inmitten all der Aufregung bemühen sich europäische Staaten unterdessen um Ausgleich. Die Europäer wollten die politische Tür offenhalten, sagt Marcus Gloger, ein Partner bei der Beraterfirma Strategy& in Deutschland. Hierzulande wolle niemand eine »Aufteilung der Welt in eine westliche und eine östliche Halbkugel.«

5G-Bericht für das US-Verteidigungsministerium (Englisch)