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Deutsche Bank wird umgekrempelt: Sparkurs

Frankfurt/Main (dpa) - Mit einem milliardenschweren Sparprogramm will die neue Deutsche-Bank-Führung den Konzern fit für die Zukunft machen. Die jährlichen Kosten sollen bis 2015 um 4,5 Milliarden Euro gedrückt werden, eine Art «Bad Bank» soll riskante Papiere in Milliardenhöhe losschlagen.

Deutsche Bank
Jürgen Fitschen (l), Co-Vorstand der Deutschen Bank und sein Kollege Anshu Jain auf der Pressekonferenz der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler Foto: dpa

Um den Abbau von Vermögenswerten beschleunigen, die nicht zum Kerngeschäft zählen, bildet die Bank eine Geschäftseinheit mit dem Namen «Non-Core-Operations». Dort werden Risikogeschäfte im Volumen von rund 135 Milliarden Euro gebündelt. Dabei geht es vor allem um verbriefte Wertpapiere, die bisher in der Investmentbanksparte geparkt waren. Angestrebt wird zunächst eine Verringerung der Papiere in Höhe von 45 Milliarden Euro beziehungsweise 33 Prozent bis März 2013.

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Die Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen stellten am Dienstag in Frankfurt jedoch klar: Die «Strategie 2015+» ist nicht nur eine Antwort auf schwächere Geschäfte infolge turbulenter Märkte und schärferer Anforderungen der Regulatoren.

Das seit Juni amtierende Duo will Deutschlands größter Bank auch ein positiveres Image verschaffen. Ein Wandel der Unternehmenskultur sei «unerlässlich». Fitschen betonte: «Wir sehen keinen Widerspruch zwischen wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Akzeptanz.»

Bei ihrer ersten gemeinsamen Pressekonferenz nach dem Amtsantritt bekräftigten Jain/Fitschen: Der Konzern will von einer starken Heimatbasis Deutschland aus weiterhin weltweit als Universalbank mit Privatkunden und Kapitalmarktgeschäft erfolgreich sein. «Die Deutsche Bank hat das Ziel, langfristig als Gewinnerin aus den fundamentalen Umwälzungen in der Finanzbranche hervorzugehen.»

Wachstumspotenzial sieht der Vorstand vor allem in Asien und Amerika. Dagegen dämpft die Euro-Schuldenkrise die Erwartungen für das Europageschäft. Dort will das Institut mit Ausnahme von Deutschland sein Angebot straffen.

Weltweit strebt die Bank bis 2015 im Investmentbanking unter die erste drei Institute, ohne sich zu sehr von dem schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft abhängig zu machen. Der Vorsteuergewinn im Privatkundengeschäft soll auf rund drei Milliarden Euro gesteigert werden. Das dritte Quartal habe bislang über alle Sparten hinweg stabile Erträge gebracht, sagte Jain.

Die Milliardeneinsparungen sollen unter anderem durch den Verkauf von etwa 40 Gebäuden erreicht werden. Knapp 40 Prozent oder 1,7 Milliarden Euro der geplanten Einsparungen entfallen auf die Infrastruktur einschließlich Investitionen in neue IT-Plattformen, eine Neuordnung der Geschäftsabwicklung (Backoffice) und die Zentralisierung des Einkaufs. Die Kosten für die Straffung bezifferte die Bank auf rund vier Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre.

Das Management stimmte auf weitere Stellenstreichungen ein. Bevor eine konkrete Zahl genannt werden könne, werde der Vorstand den Dialog mit den Betriebsräten suchen, sagte Fitschen. Erwartet wird, dass etwa in der Vermögensverwaltung der Rotstift angesetzt wird. Der Konzern beschäftigte Ende Juni 100 654 Vollzeitkräfte weltweit.

Im Juli hatte das Institut angekündigt, dass noch in diesem Jahr 1900 Arbeitsplätze wegfallen sollen, 1500 davon im Investmentbanking. In der Sparte sprudeln die Gewinne wegen der kriselnden Märkte nicht mehr so wie in vielen Jahren zuvor.

Auch bei den - gerade in Krisenzeiten umstrittenen - Bonuszahlungen für das Topmanagement tritt die Bank auf die Bremse: «Vorgesehen ist eine Einmalzahlung nach fünf Jahren anstelle gestaffelter Auszahlungen über drei Jahre hinweg.»

Darüber hinaus setzt die Bank ein unabhängiges Expertengremium mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft ein, das Struktur und Ausgestaltung der Vergütungspraxis überprüfen soll. «Die Empfehlungen des Panels werden schon die Jahresvergütung für 2012 beeinflussen», erklärte die Bank. Wer das Gremium führen soll, blieb zunächst offen.

Jain/Fitschen nannten zudem erstmals ein klares Renditeziel: Bis 2015 will die Deutsche Bank eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite von mindestens zwölf Prozent nach Steuern erreichen. Vorgänger Josef Ackermann hatte vor Steuern eine Rendite von 25 Prozent angestrebt. Die Eigenkapitalrendite beschreibt das Verhältnis des Gewinns zum eingesetzten Kapital.

Die Börse bejubelte die neue Strategie des größten deutschen Geldhauses: Die Aktie der Deutschen Bank setzte sich am Nachmittag mit einem deutlichen Plus an die Spitze im Deutschen Aktienindex.

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