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China: Erstmals Unternehmensanleihe geplatzt

Peking (dpa) - Es ist ein Novum für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt: Erstmals kann ein größeres chinesisches Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen.

Shanghai
Die Wirtschaftsmetropole Shanghai: Der Markt für Firmenanleihen in China ist riesig und birgt für Anleger Riskien. Foto: Jan Woitas Foto: dpa

Das Solarunternehmen Shanghai Chaori Solar Energy Science & Technology konnte eine am Freitag fällige Zinszahlung in Höhe von 89,8 Millionen Yuan (10,6 Millionen Euro) auf eine vor zwei Jahren ausgegebene Anleihe nicht leisten.

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Experten sprachen von einem «wichtigen Präzedenzfall» im Umgang mit den Risiken auf dem Markt für Firmenanleihen in China, der nach Schätzungen der Ratingagentur Standard & Poor's in diesem Jahr auf 13,8 Billionen Dollar anwachsen und damit die USA überholen könnte.

Anleger hatten bisher darauf gesetzt, dass lokale Regierungen und andere Banken strauchelnden Firmen schon unter die Arme greifen würden. Indem die Regierung Chaori Solar jetzt aber nicht zu Hilfe kommt, soll dem Finanzmarkt nach Einschätzung von Analysten eine Lektion erteilt werden, da vielen Anlegern bisher das nötige Risikobewusstsein fehlte.

Ob Chaori Solar überhaupt noch die Anleihe selbst in Höhe von einer Milliarde Yuan (117 Millionen Euro) jemals zurückzahlen wird, erschien durch den Zahlungsausfall ungewiss. «Wir wissen es nicht», sagte Gan Guolong, der Anwalt der Investoren, telefonisch der Nachrichtenagentur dpa in Peking. «Wir unternehmen alle Anstrengungen, um unser Geld zurückzubekommen.»

Experten rechnen durch den Ausfall der Anleihe langfristig mit positiven Auswirkungen wie mehr Marktdisziplin und einer besseren Bewertung von Kreditrisiken. Seit Ende 2007 hat sich der Markt für Unternehmensanleihen in China mehr als verzehnfacht.

Chinesische Staatsmedien wiesen Vergleiche des ersten Zahlungsausfalls mit dem Niedergang der US-Investmentbank Bear Stearns 2008 zurück. Damals war ein Umdenken bei den Investoren ausgelöst worden, was als Vorläufer für die Lehmannn-Pleite und den Beginn der globalen Finanzkrise galt.

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua sah eine «unangemessene Analogie», auch weil der Umfang des Zahlungsausfalls nicht mit dem Kollaps eines systemrelevanten großen Finanzhauses vergleichbar sei. Dass aber der Staat bei wackelnden Anleihen zu Hilfe komme, widerspreche dem Geist einer reifenden Marktwirtschaft. Dies sei bei der Größe der Finanzströme in Industrien mit Überkapazitäten wie Stahl, Zement oder Solar nicht aufrechtzuerhalten.

Die «Episode» mit Chaori Solar solle helfen, das Risiko zu verringern, dass durch die weit Annahme entstanden ist, «dass die allmächtige Regierung untergegangene Investitionen immer mit dem Geld der Steuerzahler retten wird», hieß es in einem Xinhua-Kommentar.

«Das heißt schließlich, die Marktkräfte eine entscheidende Rolle spielen zu lassen», verwies die Staatsagentur auf den Beschluss der Kommunistischen Partei vom November.

Chaori Solar versucht, durch den Verkauf von Anlagen im Ausland das Geld für die Kuponzahlungen doch noch aufzutreiben. Der geplante Verkauf eines Kraftwerkes in Griechenland sollte eigentlich die Zinszahlungen ermöglichen, doch war das Geschäft geplatzt, wie Xinhua berichtete.

«Wir versuchen, den Verkauf in Griechenland zu einem angemessenen Preis abzuschließen und die Zinsen so schnell wie möglich zu bezahlen», sagte eine Quelle bei Chaori Solar der Agentur.

Im vergangenen Jahr war es bereits bei zwei anderen Solarunternehmen angesichts der großen Überkapazitäten in der Branche zu Zahlungsausfällen gekommen. Doch waren die Anleihen in Dollar begeben und nicht in der Volksrepublik gehandelt worden.