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Brexit funkt deutschen Handwerkern ins GB-Geschäft

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Brexit verdirbt deutschen Handwerkern das Geschäft
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Spezialisten klettern an der Außenseite des «Spinnaker Towers» und streichen den Aussichtsturm im Hafen. Foto: Andrew Matthews/PA Wire/dpa Foto: dpa

Der Brexit reicht in alle Wirtschaftsbereiche hinein, das spüren nun auch deutsche Handwerker. Sie haben sich in den vergangenen 15 bis 20 Jahren ein zweites Standbein in Großbritannien aufgebaut. Doch die Aussichten sind äußerst trübe.


London/Düsseldorf (dpa) - Der Ausbau des Dachstuhls, eine neue Küche oder ein Schuppen - wenn es um Auftragsarbeiten geht, sind im Vereinigten Königreich deutsche Handwerker hoch geschätzt. Denn im Gegensatz zu ihren britischen Kollegen genießen sie einen hervorragenden Ruf.

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Doch das Standbein, das sich mehrere deutsche Betriebe in Großbritannien aufgebaut haben, droht nun wegzubrechen. Grund ist - wie bei so vielen wirtschaftlichen Themen - der Brexit. »Die Dienstleistungserbringung vor Ort geht fast nur noch mit Visum, und die Visumsregelungen sind sehr restriktiv«, sagt Karl-Martin Fischer von der Außenwirtschaftsberatung Germany Trade and Invest.

Einfach über den Ärmelkanal setzen und losarbeiten oder auch schnelle Lieferungen über Grenzen hinweg - so stellte sich die Lage jahrzehntelang da. »Wir sind verwöhnt gewesen«, sagt Andreas Pauli, Geschäftsführer von Waagen Pauli in Velbert. Doch das ist vorbei.

Zwar gäbe es für Handwerker ein Visum, das passgenau klingt: als Contractual Service Suppliers, also für die Erbringung vertraglicher Dienstleistung. Doch, so erklärt Fischer, für dieses Visum sei ein Hochschulabschluss vorgeschrieben, also mindestens ein Bachelor. »Die Tatsache, dass der deutsche Meisterbrief dem Bachelor gleichgestellt ist, hilft nur sehr bedingt«, sagt der Experte. »Denn im Zweifel wird es nicht der Meister sein, der die Dienstleistung erbringt, sondern der wird im Zweifel jemanden schicken wollen und selbst zu Hause bleiben.«

Das ist aber noch nicht alles: Nötig ist von britischer Auftraggeberseite eine »sponsorship licence«, eine Art finanzielle Garantie. Die muss beim britischen Innenministerium beantragt werden, kostet viel Geld, viel Zeit und viel Verwaltungsaufwand. Und schließlich gibt es für die Baubranche einen nationalen britischen Vorbehalt, sodass London derzeit keinen Marktzugang garantiert. Ein Großteil der deutschen Handwerker in Großbritannien arbeitet aber im Bauhandwerk.

Für sie gilt ein Vergleich, den Fischer zum Brexit-Vertrag zieht: »Stellen Sie sich vor, Sie sind 60 Jahre, kurz vor der Rente. Sie haben immer mit gutem Appetit gegessen und versuchen dann nochmal, in Ihren Konfirmandenanzug zu steigen«, sagt der Experte. »So müssen Sie sich das Abkommen in puncto Dienstleistungen vorstellen. Das wird zwicken und zwacken. Und vielleicht geht's auch gar nicht mehr.« Über die Anzahl der betroffenen Betriebe liegen keine Zahlen vor. Ausnahmen gibt es etwa für Maschinenbauer, die im Kaufvertrag die Installation oder Wartung vereinbart haben. Diese Firmen dürfen weiterhin Fachkräfte visumsfrei nach Großbritannien schicken.

Harte Kritik üben Unternehmer am Brexit-Vertrag, den der britische Premierminister Boris Johnson und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen an Heiligabend vereinbarten, nur wenige Tage vor dem Austritt Großbritanniens aus der EU-Zollunion und dem Binnenmarkt. Zwar wurden flächendeckende Zölle vermieden, die Umstellung war dennoch riesengroß. »Zu kurzfristig«, schimpft Industrieanlagenanbieter Pauli. Wochenlang seien Behörden überfragt, welche Dokumente nötig sind, erzählt er. Die zuständigen Stellen: überlastet.

Für Unternehmen, die schon seit langem immer wieder in Großbritannien arbeiten, ist es ein herber Schlag. Es herrscht Frust, die Ungewissheit ist groß. »Es gibt keine Rechtssicherheit«, sagt Christian Kohnen, Schreinermeister aus Tönisvorst. Er nimmt weiterhin Anträge aus Großbritannien an und hofft wie seine Kunden darauf, dass sich die Regeln noch mal ändern. Doch die Aussichten sind vorerst schlecht. Zuwanderung sei nicht die Antwort auf den Fachkräftemangel, heißt es aus dem Innenministerium in London.

»Die Regierung möchte sicherstellen, dass sich die Arbeitgeber darauf konzentrieren, in die Qualifizierung unserer eigenen Arbeitskräfte zu investieren und die Abhängigkeit von Arbeitskräften aus Übersee zu verringern«, teilt das Ministerium auf Anfrage mit. Viele Arbeitnehmer stünden vor einer unsicheren Zukunft. »Hier sollte der erste Rückgriff für Arbeitgeber mit offenen Stellen stattfinden, anstatt die Einwanderung als primäre Lösung zu betrachten.«

Etwas Hoffnung macht, dass die Regierung für Mai 2022 die Einführung eines neuen »Global Business Mobility«-Visums versprochen hat. Doch bis dahin drohen die Brexit-Hindernisse, das Geschäft auszutrocknen. Das ganze Ausmaß wird wohl erst in wenigen Monaten zu sehen sein - wenn die Bekämpfung der Corona-Pandemie reibungsloses Reisen wieder erlaubt. Dann werden wohl einige Handwerker merken, dass ihnen Großbritannien verschlossen ist.

© dpa-infocom, dpa:210405-99-86674/2

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