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Banker raten General Motors: Werdet Opel los

New York/Detroit (dpa) - Was soll mit dem verlustreichen Autobauer Opel geschehen? Das Wall-Street-Haus Morgan Stanley rät den Verantwortlichen des Mutterkonzerns General Motors zur Radikallösung: Trennt Euch von Opel, fordern drei Analysten der Bank in einer 37 Seiten langen Studie mit dem Titel «Leben ohne Opel».

Opel
Opel habe in den vergangenen zwölf Jahren 16 Milliarden Dollar (12,6 Mrd Euro) verbrannt, rechnen die Morgen-Stanley-Analysten vor. Foto: Martin Schutt Foto: dpa

Das sei auch für die Rüsselsheimer das Beste. «Wir glauben, dass es für GM an der Zeit ist, ein neues Zuhause für Opel zu finden.» Opel habe in den vergangenen zwölf Jahren 16 Milliarden Dollar (12,6 Mrd Euro) verbrannt, rechnete das Trio Adam Jonas, Ravi Shanker und Yejay Ying vor.

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«Die Verluste in den kommenden zwölf Jahren könnten sogar noch höher ausfallen», warnten sie in der am Donnerstag erschienen Studie. Opel sei die größte einzelne Gefahr für die langfristiges finanzielle Gesundheit und Zukunftsfähigkeit von GM. Das belaste auch den Aktienkurs.

«Aus unserer Sicht ist eine Trennung - wenngleich teuer - die beste Möglichkeit sowohl für die Beteiligten bei General Motors als auch bei Opel.» Die Analysten sind der Überzeugung, dass es Opel unter einem neuen Besitzer besser ergehen würde, wenn dieser auf Augenhöhe mit Opel agieren und das Talent der Opelaner voll nutzen würde. Die Experten sehen dann sogar eine «glänzende Zukunft» für die Rüsselsheimer.

Als positives Beispiele führten die Banker den US-Hersteller Chrysler an, der nach der Loslösung von Daimler zwar zunächst in ein Loch gestürzt war, doch unter dem neuen Besitzer Fiat seine Verkäufe deutlich steigern konnte und satte Gewisse schreibt. Für eine Loslösung von Opel müsste GM nach den Berechnungen der Analysten allerdings 7 bis 13 Milliarden Dollar berappen, etwa für Pensionsverpflichtungen. «Scheidungen in der Autoindustrie sind teuer, aber sie lohnen sich.»

Ein GM-Sprecher wies die Forderung zurück: «Wir stehen zu Opel und sind überzeugt, dass wir das Geschäft erfolgreich sanieren können, um langfristig profitabel zu sein.» Opel-Interimschef Thomas Sedran hatte jüngst im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa erläutert, wie er die Wende schaffen will: mit neuen Modellen, einer günstigeren Herstellung sowie höheren Verkäufen im Ausland, vor allem in Russland.

Die Morgan-Stanley-Analysten sind nicht überzeugt, dass das klappt. «Trotz GMs Bemühungen, das Europageschäft zu sanieren, wird es kein Stück besser.» Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall leiden momentan unter der Schuldenkrise in ihrem Kernmarkt Europa. Hinzu kommt die Konkurrenz aus dem eigenen Haus. GM verkauft auch Autos seiner Hauptmarke Chevrolet im Opel-Stammgebiet.

Schon einmal wollte GM die Tochter loswerden - im Jahr 2009, als der US-Autokonzern mit seiner eigenen Insolvenz beschäftigt war. Die Amerikaner machten aber im letzten Moment einen Rückzieher. Die Analysten sind der Überzeugung, dass GM die Entscheidung heute bereut und stellen die Frage, ob es angesichts der Geschichte überhaupt noch eine gemeinsame Zukunft geben könne.

«Es gibt in der Autoindustrie nichts Schlimmeres als einen Geld verbrennenden, Ressourcen fressenden Geschäftszweig», stellten die Banker fest. Opel sauge Energie aus dem ganzen Konzern ab und schade der Firmenkultur. Auch dem deutschen Premiumhersteller Daimler sei es nach der Trennung von Chrysler besser gegangen oder BMW nach der Loslösung von Rover, führen die Analysten ins Feld. Während Chrysler im Aufwind ist, blieb von Rover allerdings nicht viel übrig.

GM-Zwischenbilanz Q2