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BAE-Großaktionär findet Rüstungsfusion mit EADS unlogisch

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EADS will mit dem britischen Unternehmen BAE fusionieren. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa

London (dpa) - Die Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems bekommen bei ihrer geplanten Mega-Fusion weiterhin kräftigen Gegenwind von Regierungen und privaten Aktionären.


Der größte BAE-Anteilseiger, der Investmentfonds Invesco Perpetual, zweifelt die Strategie des Vorhabens an. «Invesco versteht die strategische Logik des geplanten Zusammenschlusses nicht», heißt es in einem am Montag in London veröffentlichten Schreiben. Auch eine zu erwartende hohe Staatsbeteiligung an dem neuen Konzern passt dem Großinvestor, einer internationalen Vermögensverwaltung, nicht.

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Nach britischem Recht muss bis zum Mittwoch (10.10.) ein Zwischenstand der Verhandlungen veröffentlicht werden. Branchenexperten halten jedoch für möglich, dass die Frist verlängert wird, da die Fusion als höchst komplex gilt und die beteiligten Regierungen sich bisher nicht auf eine gemeinsame Linie einigen konnten. Neben Deutschland, Frankreich und Großbritannien reden auch die USA und die EU-Kommission mit. Knackpunkt ist vor allem das sensible Rüstungsgeschäft. EADS ist bisher vor allem mit Airbus in der zivilen Luftfahrt stark, BAE gilt als Rüstungsspezialist.

Aus Sicht von Invesco, deren Fonds den Angaben zufolge 13,3 Prozent der BAE-Anteile halten, würde eine Fusion mit EADS die Stellung von BAE Systems auf dem US-amerikanischen Rüstungsmarkt untergraben. Noch seien keine Vorteile aus der Fusion erkennbar, die diesen Nachteil ausgleichen könnten, argumentiert der Großaktionär. Hinzu kommen Befürchtungen, dass die Ausschüttungen sinken könnten. «Wir sind sehr besorgt, dass Dividenden an Aktionäre bei dem Zusammenschluss keine Priorität haben werden», hieß es. Am Sonntag hatte der britische Verteidigungsminister Philip Hammond gefordert, dass Frankreich und Deutschland bei einer Fusion ihre Beteiligungen reduzieren.

In Berlin und Paris dürfte sich der Streit wiederum um das künftige Gleichgewicht zwischen Deutschland und Frankreich drehen. Dabei spielt auch eine Rolle, wo die Zentrale des neuen Konzerns angesiedelt ist. Bisher verfügen beide Länder direkt und indirekt über jeweils gut 22 Prozent der EADS-Anteile, die deutschen Interessen nimmt dabei der Autokonzern Daimler wahr. Bei BAE Systems sind keine Staaten direkt oder indirekt Großaktionäre.

EADS-Vorstandschef Tom Enders und BAE-Systens-Lenker Ian King hatten mehrfach dafür plädiert, dass die Staaten alle ihre Anteile abgeben und nur noch jeweils eine «goldene Aktie» halten, mit der sie über ein Vetorecht etwa im Fall feindlicher Übernahmen verfügen. Sie versprechen sich von einer solchen Regelung mehr Aufträge in den USA und Asien, wo größere europäische Staatsbeteiligungen kritisch gesehen werden.