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Briefe mit tödlichem Gift abgefangen - Auch an Obama adressiert

Washington (dpa) - Gibt es einen Zusammenhang? In Washington sind kurz nach dem Anschlag von Boston Briefe mit einer hochgiftigen Substanz aufgetaucht. Ein Adressat war der Präsident. Böse Erinnerungen werden wach.

Obama
US-Präsident Obama sollte ein Brief mit Ricin erreichen. Foto: Michael Reynolds Foto: dpa

In der US-Hauptstadt Washington sind Briefe mit dem tödlichen Gift Ricin unter anderem an Präsident Barack Obama abgefangen worden. Das berichtete die Bundespolizei FBI am Mittwoch. Ebenfalls am Dienstag wurde ein Brief mit Spuren von Ricin an den republikanischen Senator Roger Wicker in einer Poststelle entdeckt. Beide Briefe seien aus der Stadt Memphis verschickt worden, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf das FBI. Ersten Ermittlungen der Bundespolizei zufolge gibt es keine Verbindungen zum jüngsten Terroranschlag beim Marathon in Boston.

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 Der Brief an Obama war in einer Poststelle in einem Vorort der Hauptstadt aufgefallen. Die Abteilung untersuche automatisch verdächtig wirkende Sendungen, wenn sie zum Beispiel Pulver enthalten. Auch Regierungssprecher Jay Carney bestätigte den Fund von Ricin. Nach FBI-Angaben dauert die Untersuchung verdächtiger Post zwischen 24 und 48 Stunden.

Am Mittwoch wurde nach Angaben des TV-Senders ein «verdächtiges Paket» im Senat in Washington entdeckt. Mehrere Büros seien geräumt worden.

Bei den Bombenexplosionen am Rande des Boston-Marathons waren am Montag drei Menschen ums Leben gekommen, über 180 wurden verletzt. Die Identität der Täter ist nach Angaben von Ermittlern bislang unklar.

Im Fall des Ricin-Briefs an Senator Wicker teilten die Behörden mit, der Brief habe den Absender einer Person gehabt, die regelmäßig an Gesetzgeber in Washington schreibe. Das Büro Wickers wurde am Dienstag zeitweilig geschlossen. Der Brief habe den Senator nicht erreicht. Es wurden keine Hinweise bekannt, wonach es Verbindungen des Vorfalls mit dem Terroranschlag in Boston gebe.

Wicker habe Personenschutz erhalten, berichte der TV-Sender CNN am Mittwoch. «Erste Tests weisen darauf hin, dass es sich bei der gefunden Substanz um Ricin handelte», erklärte die Polizei. Weitere Untersuchungen stünden an.

Ricin (oder: Rizin) ist ein hochgiftiger Eiweißstoff, der aus den Samen des Wunderbaums gewonnen wird. Geringsten Mengen reichen aus, um einen Menschen zu töten. Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC «bedarf es einer vorsätzlichen Handlung, um Ricin herzustellen und es zur Vergiftung von Menschen zu verwenden».

Bereits 2004 wurde Ricin in Briefen an Parlamentarier gefunden. Nach den Terroranschlägen 2001 gab es Briefe mit dem Gift Anthrax an US-Politiker. Dieser Giftstoff kann tödlichen Milzbrand auslösen.  

Bericht bei «Politico»

Deutsche CDC-Informationen über Ricin