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YouTube und Google gegen die Sender: Streit auf der IFA

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IFA 2012
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Ein Besucher testet auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin ein Fernsehgerät mit Internet-Funktion. Foto: Rainer Jensen Foto: dpa

Berlin (dpa) - Kennen Sie Sami Slimani? Nicht? Dann sind Sie wahrscheinlich älter als Mitte 20. Sami Slimani ist ein Guru der YouTube-Welt. Mit Video-Schnipseln zu Mode, Pickel, Zahn- oder Haarpflege bietet «Herr Tutorial» kostenlose Lebenshilfe.


Sami verkörpert vieles, was die Fernsehsender am Internet beneiden. Denn Slimani ist zum Knigge seiner Generation aufgestiegen - ganz ohne Marketing und aufwendige Technik. Matthew Glotzbach, Europa-Manager der Videoplattform YouTube, erzählte am Montag auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin genüsslich vom jungen Deutschen.

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Gegen Slimanis Erfolg stellte der Amerikaner die Quoten von Style-TV. Der US-Kanal, der auch Mode und Lebensstil im Programm hat, habe unlängst in einem Monat 700 000 Zuschauer gezählt - ein Rekord für den Sender. «Herr Tutorial» könnte dazu nur müde lächeln. Er kommt auf knapp 60 Millionen Abrufe und 300 000 YouTube-Abonnenten. Die Plattform, so hörte sich Glotzbachs Botschaft an die in Berlin versammelte Zunft an, ist ein entscheidender Mitspieler geworden.

So klaffen auf der IFA-Medienwoche Welten auseinander. Gegen die YouTube-Plattform, die für jedes noch so sonderbare Nischeninteresse Dutzende bis Tausende Videos bietet, stellte Thomas Ebeling das allseits bekannte Fernsehen. Für den Vorstandschef von ProSieben-Sat.1 ist es noch immer das virtuelle «Lagerfeuer» der Republik, um das sich die Familie versammelt.

Noch immer setze Fernsehen die Gesprächsthemen und selbst die Trends auf Twitter, sagt Ebeling. Nach wie vor beginne für Millionen Deutsche der Abend zur «Tageschau»-Zeit um 20.00 Uhr. Ob das Moderatorenduo Joko und Klaas oder die Castingshow «The Voice»: Nur das Fernsehen sei in der Lage, kreative Talente durchzusetzen.

Ebeling ärgert aber, dass sich die Internet-Konzerne ganz den Spielregeln der deutschen Medienpolitik entziehen. «Globale monopolitische Marktführer» sollten zu mehr Transparenz gedrängt werden. Denn für Unternehmen, die in der digitalen Welt überleben wollten, sei die Platzierung bei der Suche entscheidend. Deswegen müsse Google offenlegen, wie Googles Ergebnisse zu Stande kommen.

Glotzbach lehnte jede Form von Regulierung ab. Die Google-Tochter YouTube sei keine Konkurrenz zum Fernsehen, sondern spiele für die Sender eine wichtige Rolle. Als Beispiel nannte er YouTube-Kanäle von ARD und ZDF.

Zwar wünschen sich auch die öffentlich-Rechtlichen Sender klare Regeln. Doch sowohl ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler als auch RBB-Intendantin Dagmar Reim können nicht genug von YouTube bekommen. «Wir freuen uns über alle Wege, unser Produkt zum Zuschauer zu bringen», sagte Reim.

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