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SAP und Oracle: Gepflegte Rivalität im Software-Geschäft

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München/Walldorf (dpa) - Die beiden IT-Konzerne SAP und Oracle haben am Mittwoch auf getrennten Konferenzen ihre Strategien im Geschäft mit Firmenkunden vorgestellt - SAP auf seiner Kundenkonferenz Sapphire Now in Orlando in Florida, Oracle auf der CloudWorld in München.


Reiner Zufall sei das Zusammenfallen der Termine, versichert der Deutschland-Chef von Oracle, Jürgen Kunz. Die beiden IT-Giganten sind harte Konkurrenten - aber auch Geschäftspartner. Mit der zunehmenden Bedeutung von Cloud-Lösungen, also IT-Angeboten aus dem Netz, werden die Karten neu gemischt.

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Oracle ist auch deswegen so groß geworden, weil es für viele Konzerne die Datenbank geliefert hat, auf der SAP-Anwendungen zur möglichst effizienten Steuerung betriebswirtschaftlicher Abläufe aufsetzen, das »Enterprise Resource Planning« (ERP).

Das Verhältnis zwischen beiden Unternehmen hat sich erst verschlechtert, nachdem Oracle 2005 beschlossen hatte, selbst verstärkt in das Geschäft mit Firmensoftware einzusteigen. Oracle ist jetzt ebenfalls im ERP-Geschäft unterwegs und bietet kombinierte Pakete aus der Hardware des 2009 übernommenen Herstellers Sun Microsystems mit eigenen Datenbanken und Software an.

Zusätzlich verschärft hat sich die Rivalität zwischen beiden Konzernen mit einer 2007 eingereichten Klage von Oracle gegen SAP wegen Industriespionage: Mitarbeiter der Software-Wartungsfirma TomorrowNow hatten nach dem Kauf des Unternehmens durch SAP in großem Stil unrechtmäßig Updates bei Oracle heruntergeladen.

Ende 2010 verurteilte ein kalifornisches Gericht den deutschen Softwarehersteller wegen Urheberrechtsverletzungen zur Zahlung von 1,3 Milliarden Dollar. Eine Richterin reduzierte dies später auf 272 Millionen Dollar, wogegen Oracle Beschwerde einlegte. Im August 2012 einigten sich beide Seiten dann zunächst auf einen Betrag von 306 Millionen Dollar. Doch ist der Streit noch nicht abgeschlossen, weil Oracle danach erneut in Berufung gegangen ist.

Oracle-Gründer und Vorstandschef Larry Ellison nutzte den Rechtsstreit mit SAP auch als Bühne für die Fehde mit dem Konkurrenten aus dem fernen Walldorf. Der passionierte Segler und mehrfache Milliardär lieferte sich wiederholt verbale Gefechte mit dem SAP-Gründer und Aufsichtsratsvorsitzenden Hasso Plattner.

SAP erzielte im ersten Quartal einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro, sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Oracle ist mehr als doppelt so groß, allerdings stammen auch rund ein Drittel der Einnahmen aus dem Hardwaregeschäft, das SAP nicht hat: In dem Ende Februar abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal des Finanzjahrs 2012/13 erreichte Oracles Umsatz 8,96 Milliarden Dollar (6,92 Mrd Euro) - ein Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Oracle erzielte einen Quartalsgewinn von 2,5 Milliarden Dollar - bei SAP waren es unterm Strich 520 Millionen Euro.

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