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Parship vs. LoveScout24: Wer ist hier die größte?

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Partnervermittlung Parship
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Bisher ist Parship in 13 Ländern aktiv, wagte sogar den Sprung über den Atlantik. Foto: Ralf Hirschberger Foto: dpa

Darf sich das Unternehmen Parship als Deutschlands größte Online-Partnervermittlung bezeichnen? Das will das Oberlandesgericht München am Donnerstag klären. Die vorherige Instanz hatte in der Frage eine klare Ansicht.


München (dpa) - Wer ist hier die Nummer eins? Das Oberlandesgericht (OLG) München entscheidet einen Streit zwischen den Dating-Portalen Parship und LoveScout24 um Werbesprüche. Es geht dabei um die Frage, ob Parship sich als »Deutschlands größte (Online-)Partnervermittlung« bezeichnen darf oder nicht.

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LoveScout24 hatte gegen den Werbespruch auf Unterlassung geklagt und vom Landgericht München I Recht bekommen. Gegen die Entscheidung zog Parship in die nächste Instanz.

In diesem Rechtsstreit geht es um die Frage, wer ganz oben steht im Geschäft mit der Liebe im Netz, wer als großer, wenn nicht größter Player gilt in der seit Jahren wachsenden deutschen Online-Dating-Branche mit einem Umsatz von rund 210 Millionen Euro. Seit 2014 wächst der Markt jedes Jahr um rund fünf Prozent. »Da geht es darum, wer die Marktführerschaft hat«, sagt Andrea Langbein, Sprecherin des Testportals »Singlebörsen-Vergleich.de«. »Das zieht schon, wenn man sagt, man ist die größte Single-Börse.« LoveScout24 nennt sich »Deutschlands Datingportal Nr. 1«.

Laut der Studie »Der Deutsche Online-Dating-Markt 2017/2018« haben beide Portale jeweils mehr als zehn Millionen Mitglieder. Insgesamt haben sich seit 1998 deutschlandweit mehr als 135 Millionen Mitgliedschaften (Profile) in den verschiedenen Portalen und Apps angehäuft, von denen zwar nur ein Bruchteil genutzt wird. Allerdings liegt die Zahl der aktiv genutzten Profile demnach auch schon bei 8,6 Millionen. Zum Vergleich: 2003 waren es nur 3,5 Millionen.

Auch wenn inzwischen Apps wie Tinder den Markt aufgemischt hätten - was den Umsatz angeht, könnten diese mit Parship und LoveScout24 nicht mithalten, sagt Langbein.

Parship wurde 2001 gegründet und gehört seit zwei Jahren zusammen mit dem kleineren Schwesterunternehmen Elite-Partner zum Fernsehkonzern ProSiebenSat.1. Ein guter Deal: Die Sendergruppe wirbt auf ihren Kanälen kräftig für die eigenen Firmen. Der Konzern nutzt dafür auch nicht verkaufte Werbezeiten und lernt zudem durch Abgleich der Werbe- und Online-Nutzungs-Daten, die Kunden immer zielgenauer anzusprechen.

Die Parship-Elite-Gruppe mit Sitz in Hamburg beschäftigt 230 Mitarbeiter und hat 2017 mehr als 120 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Als Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen blieben 30 Prozent davon übrig. LoveScout24 beantwortet die Frage nach dem Umsatz nicht.

Bisher ist Parship in 13 Ländern aktiv, wagte im Oktober sogar den Sprung über den Atlantik und übernahm zusammen mit der ProSiebenSat.1-Tochter NuCom die große US-Partnervermittlung Eharmony.

Das Landgericht München I untersagte Parship, sich als »größte Partnervermittlung« Deutschlands zu bezeichnen. Das Unternehmen begründete seinen Anspruch beispielsweise mit der höheren Zahl der zahlenden Premium-Mitglieder. Das war eine Argumentation, der das Gericht nicht folgen wollte: Der Verbraucher unterscheide nicht zwischen kostenlosen Mitgliedschaften und Premium-Angeboten. Daher sei die Zahl von Premium-Kunden nicht das einzige maßgebliche Abgrenzungskriterium.

Parship kostet im Jahresabo rund 660 Euro und arbeitet statt freier Suche durch die verschiedenen Profile mit Partnervorschlägen, die sich aus Persönlichkeitstests ergäben. Es funktioniert damit anders als LoveScout24, das laut Online-Dating-Expertin Langbein »ein klassisches Kontaktanzeigenportal« ist. Diese Feinheiten seien für die breite Masse aber einfach zu fein, meinte das Landgericht. Partnervermittlung, Partnerbörse, Singlebörse - die Allgemeinheit mache da keine Unterschiede.