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Keine Überraschungen beim iPhone 5

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iPhone 5
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Das neue  iPhone 5 kommt in Deutschland am 21. September in die Läden. Foto: Christoph Dernbach Foto: dpa

San Francisco (dpa) - Apple setzt bei seinem neuen iPhone auf Evolution statt Revolution. Das iPhone 5 bekam wie erwartet einen etwas größeren Bildschirm und ist deutlich dünner und leichter geworden.


Große technologische Sprünge blieben diesmal aber aus. Zugleich bescherte Apple mit der Wahl der Frequenz für den schnellen LTE-Datenfunk dem langjährigen Partner Deutsche Telekom eine Ausnahmestellung in Deutschland.

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Mit LTE sind Download-Geschwindigkeiten bis 100 Megabit pro Sekunde möglich - 100 Mal schneller als bei der einfachsten DSL-Leitung im Festnetz. Allerdings werden in Deutschland zunächst nur Kunden der Deutschen Telekom in den Genuss des vollen LTE-Tempos kommen. »Nur bei uns wird das iPhone die volle LTE-Bandbreite von 100 MBit pro Sekunde unterstützen«, sagte Telekom-Manager Michael Hagspihl der dpa.

Der Grund: Die Telekom hat bei dem LTE-Ausbau in den Städten auf das 1800-MHz-Frequenzband gesetzt statt der 800 und 2600 MHz bei der Konkurrenz. »Diese Strategie macht sich jetzt für das iPhone voll bezahlt«, sagte Hagspihl, der in Deutschland für das Marketing zuständig ist. Die Telekom will bis Jahresende LTE-Netze in 100 Städten einrichten, bisher gibt es sie in rund 60.

Der große Wettbewerber Vodafone reagierte mit Kritik: »Damit endet LTE beim iPhone 5 an der Ortsgrenze in ausgewählten Städten«, sagte ein Sprecher. Die LTE-Netze laufen weltweit in fast drei Dutzend verschiedenen Frequenzen - aktuelle Funkchips können aber nur wenige davon gleichzeitig einbinden. Deshalb kann zum Beispiel das aktuelle iPad in Europa gar kein LTE-Netze nutzen. Zugleich rechnen Branchenkenner damit, dass die nächste Geräte-Generation mehr Frequenzbänder unterstützen.

Das iPhone 5 kommt auch in Deutschland am 21. September auf den Markt. Das Design des Vorgängermodells iPhone 4S bleibt weitgehend erhalten, nur die Rückseite besteht jetzt aus Metall statt Glas. Die durchgesickerten Bilder und Videos der vergangenen Wochen erwiesen sich damit als realistisch.

Zugleich riskiert Apple, viele bisherige Kunden mit einer Änderung zu verärgern. Der noch aus den iPods stammende breite Kabel-Anschluss wird durch eine kleineren Version mit dem Namen »Lightning« (Blitz) ersetzt.

Das bedeutet Unannehmlichkeiten für so manchen Nutzer: Die Kabel früherer Ladegeräte passen nicht mehr, ensowenig die Anschlüsse von Weckern oder Lautsprechern mit iPhone-Docks. Apple bietet zwar einen Adapter an, doch der kostet 29 Euro und ist relativ klobig. Marketing-Chef Phil Schiller verteidigte die Entscheidung. Man hätte das Telefon mit dem bisherigen Anschluss nicht so dünn machen können, sagte er dem Blog »All Things D«.

Das iPhone 5 ist mit 112 Gramm um ein Fünftel leichter als das Vorgängermodell und mit 7,6 Millimetern um 18 Prozent dünner. Der Bildschirm hat jetzt eine Diagonale von 4 Zoll (10,16 cm) und ein Seitenverhältnis von 16:9 wie bei einem Flachbildfernseher.

Mit dieser Größe könne man das iPhone immer noch bequem mit einer Hand bedienen, betonte Schiller bei der Vorstellung in San Francisco am Mittwoch. Es ist das erste Mal seit dem Start des ersten iPhone vor gut fünf Jahren, dass Apple den Bildschirm vergrößert hat. Die Touchscreens fast aller Konkurrenzgeräte sind in dieser Zeit immer größer geworden.

Unmittelbar nach der Präsentation begann die Diskussion, ob das neue iPhone nicht zuwenig Neues biete, während bei ihm Funktionen von Konkurrenzgeräten fehlten. Schiller verteidigte den Verzicht auf einen NFC-Funkchip, der für mobile Bezahldienste eingesetzt werden kann. Es sei nicht klar, ob NFC irgendein aktuelles Problem löse, sagte Schiller »All Things D«. Apple brachte stattdessen die App Passbook auf das iPhone, in der Tickets und Treuekarten lagern.

Auch die drahtlosen Akku-Ladesysteme einiger Konkurrenzgeräte findet Schiller wenig sinnvoll. Man brauche dafür immer noch ein zusätzliches Gerät, das in die Steckdose müsse, argumentierte er.

Zusammen mit dem neuen iPhone bringt Apple die nächste Generation seines mobilen Betriebssystems an den Start. Die Software iOS 6 bietet unter anderem verbesserte Navigationsfunktionen und eine vertiefte Integration des Online-Speicherdienstes iCloud.

Die bisherigen Google-Karten werden durch ein Apple-Angebot ersetzt. Den Videotelefonie-Dienst Facetime kann man nun auch in Mobilfunk-Netzen nutzen und nicht nur in einem WLAN. Und die Multimedia-Software iTunes bekommt Cloud-Funktionen, damit die Nutzer bei Musik und Videos besser zwischen ihren Geräten wechseln können.

Das iPhone ist das wichtigste Apple-Produkt, das den einstigen Nischen-Anbieter zum wertvollsten Unternehmen der Welt mit Bargeldreserven von fast 120 Milliarden Dollar gemacht hat. Apple muss die Nutzer mit dem iPhone 5 unbedingt überzeugen: In den vergangenen Monaten ging der Absatz bisheriger Modelle merklich zurück, weil Kunden auf die nächste Generation warteten. Und im Smartphone-Markt mangelt es nicht an Alternativen wie Samsungs Galaxy S3.

Eine Überraschung war die erneuerte Modellreihe des Players iPod nano. Er sieht jetzt aus wie ein gut fünf Millimeter dickes Mini-iPhone. Sein großer Bruder iPod touch wurde im Funktionsumfang aufgewertet. Außerdem gibt es neue futuristisch aussehende Ohrhörer, an denen Apple drei Jahre gearbeitet hat.

Video der Präsentation

Apple-Mitteilung zum iPhone 5

Apple zum neuen iTunes

Apple zu neuen iPod-Modellen

Deutsche Telekom zu LTE

Technische Daten des iPhone 5