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Europa verliert an Bedeutung für globalen IT-Markt

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Düsseldorf/Berlin (dpa) - Europa verliert nach Einschätzung von Marktanalysten an Bedeutung für die weltweite Computer- und IT-Industrie. Nur 24 Prozent des globalen Umsatzes mit IT-Dienstleistungen, IT-Hardware, Software sowie Telekom-Diensten und -Produkten habe Europa 2011 erwirtschaftet - Tendenz weiter sinkend.


Das sagte Axel Freyberg, Partner der Beratungsgesellschaft A.T.Kearney am Montag. In allen wichtigen Segmenten in der ICT-Industrie gehe der Anteil Europas zurück. Während die Umsätze weltweit um rund 4,1 Prozent im Jahr stiegen, lege Europa lediglich um 2,5 Prozent zu. Für eine moderne Wirtschaft sei ein gut funktionierender Hightech-Sektor jedoch eine wesentliche Grundlage.

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Lediglich 15 der führenden hundert Unternehmen der Informationstechnik und Telekommunikation (ICT) haben demnach ihren Hauptsitz in Europa. Und weniger als zehn Prozent der Umsätze in der Branche würden die Top 100 einer aktuellen Untersuchung zufolge in Europa noch generieren. Kernbranchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau bedürften allerdings einer «agilen und innovativen europäischen Hightech-Industrie», so die Marktbeobachter von A.T.Kearney.

Für die Stärkung sei eine gemeinsame europäische Hightech-Strategie nötig. Nationale Alleingänge könnten im globalen Wettbewerb nicht mithalten. Um als Gegengewicht zu den USA und vor allem Asien zu bestehen, seien kurzfristige nationale Konzepte nicht mehr geeignet. «Wir brauchen vielmehr eine Art 20-Jahres-Fahrplan» sagte Jan Stenger, Mitautor der Studie, der dpa. So etwas gebe es bislang noch gar nicht. Für einen Erfolg müssten aber die nationalen Regierungen, EU-Institutionen, die Unternehmen und Investoren an einem Strang ziehen.

Um die Zukunft der Computer- und IT-Industrie in Europa zu sichern, sind nach Einschätzung der Analysten von A.T.Kearney mehrere Erfolgsfaktoren wichtig. Dazu zähle zum Beispiel die verstärkte Bildung von paneuropäischen Forschungszusammenschlüssen (Cluster), damit die finanziellen Mittel für Innovationen nicht zu breit und damit zu flach gestreut würden.

Zudem müsse es mehr qualifizierte Abschlüsse in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technologie) geben. Während in Europa nur 17 Prozent der Studenten in diesen Fächern eingeschrieben sind, seien es in China 31 Prozent und in Korea und Taiwan 35 Prozent. Wenn Europa seine Position im ICT-Markt nicht wieder stärke, bestehe die Gefahr, dass neben den produktionsorientierten Arbeitsplätzen auch Stellen in Forschung und Entwicklung nach Asien verlagert würden. Die Zahlen zeigten, dass die asiatische Ausbildung erfolgreich auf die Entwicklung einer Wissenschaftler- und Ingenieurselite gesetzt habe.

Auch mahnen die Marktbeobachter eine bessere und nachhaltigere finanzielle Unterstützung von Startups durch Regierungen und EU-Institutionen an. Dabei müsse die Finanzierung neben der reinen Starthilfe auch das Wachstum und die Internationalisierung sicherstellen.

Schließlich raten die Marktbeobachter dazu, den Fokus nicht auf den Verbrauchermarkt, sondern auf Lösungen für Netzwerke und Geschäftsbeziehungen von Unternehmen untereinander (Business to Business) zu legen. In der Unterhaltungselektronik sei dagegen traditionell Asien vor allem wegen der niedrigen Lohnkosten besonders stark.

Europa könne etwa mit industriellen Anwendungen in der Automobil- oder Maschinenbau-Industrie ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln. Hightech habe in Europa eine Zukunft in Segmenten mit hohem lokalen Service-Anteil sowie in Segmenten mit komplexen B2B-Prozessen, sagte Stenger. Wenn Europa die genannten Erfolgskriterien erfülle, könne es seine Position enorm verbessern. «Dadurch könnte der Exportmarkt verstärkt werden, und neue hoch bezahlte Jobs mit attraktivem Steueraufkommen würden entstehen», sagte Stenger.

Pressemitteilung A.T.Kearney