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Berliner Campus Party verbreitet Aufbruchsstimmung

Berlin (dpa) - Von der App-Entwicklung bis zur Besiedlung des Mars hat das Berliner Technik-Festival Campus Party den 10 000 Teilnehmern bereits zum Auftakt eine breite Palette von Innovationen präsentiert.

Campus Party
Ein selbstgebautes technisches Gesicht zeigt ein Mann bei der Campus Party Europe in Berlin. Bei dem sechstägigen Technik-Festival treffen sich rund 10 000 Erfinder, Blogger und Programmierer aus 66 Ländern. Foto: Stephanie Pilick Foto: dpa

Bis Samstag tauschen sich Internet-Tüftler, Blogger, Firmengründer und andere Technik-Interessenten aus 77 Ländern über aktuelle Forschungstrends und die Chancen zur Gründung neuer Firmen aus. «Geht raus aus der Uni und rein in die Startup-Szene», rief Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler den «Campuseros», wie sich die Teilnehmer nennen, zur Eröffnung zu.

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Der Förderung junger Internet-Unternehmen widmen sich inzwischen viele Programme, die als Inkubatoren (Brutkästen) bezeichnet werden. Beim Start komme es vor allem darauf an, Fehler zu vermeiden und die eigenen Chancen durch die Nutzung solcher Möglichkeiten zu verbessern, sagte Florian Heinemann, Gründer und Geschäftsführer des Berliner Inkubators Project A Ventures, am Mittwoch auf einem Podium der Campus Party. Mit Blick auf den Gründer des Sozialen Netzwerks Facebook fügte er hinzu: «Nicht jeder ist außergewöhnlich, und auf einen Mark Zuckerberg kommen 99, die nicht erfolgreich sind.»

Das im Juli 2011 gegründete niederländische Unternehmen Mars One stellte auf der Campus Party das ehrgeizige Projekt vor, bis zum Jahr 2023 den Mars zu besiedeln. «Wenn das genügend Leute wollen, wird auch das passieren», sagte Firmengründer Bas Lansdorp. Alle technischen Voraussetzungen dafür stünden zur Verfügung.

Bereits 2016 soll es nach den Plänen des Unternehmers einen Satelliten über dem Mars geben, der den Ort für eine Siedlung erkunden soll. Auf seiner Webseite hätten sich schon mehrere hundert Interessenten gemeldet. «Die Menschen sind immer an dem Unbekannten interessiert, an dem, was hinter dem Horizont liegt.» Bisher finanziert Lansdorp sein Unternehmen mit eigenem Kapital, jetzt sucht er finanzstarke Investoren.

Als erster Hauptredner der Campus Party rief der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho die Verlagsbranche dazu auf, sich von einem starren Copyright-Denken zu verabschieden und die Veränderungen durch das Internet zu akzeptieren. «Sie versuchen, etwas aufzuhalten, was nicht aufzuhalten ist», sagte Coelho.

Matthias Kirschner von der Free Software Foundation Europe (FSFE) kritisierte in einem Vortrag zunehmende Restriktionen für die Nutzer digitaler Geräte. Wer eine DRM-Kopierschutztechnik entwickle, behandle den Kunden als Feind, sagte Kirschner. Bei Betriebssystemen für den Computer und bei mobilen Geräten gebe es zunehmend den Trend, dass der Nutzer nicht mehr selbst bestimmen dürfe, welche Software er installieren könne und welche nicht. Die FSFE fördert die Nutzung freier Software wie des Betriebssystems Linux.

Die Veranstalter bezeichnen das Treffen auf dem alten Berliner Flughafen Tempelhof als «größtes Geek-Festival der Welt». Den 10 000 erwarteten Teilnehmern geht es auch darum, «Europas Quellcode neu zu formulieren, um Europa zu einem besseren Ort zu machen» - so lautet ein Motto der diesjährigen Campus Party, die 1997 in Spanien begründet wurde und nun zum ersten Mal in Deutschland stattfindet. Vorträge, Workshops und Wettbewerbe widmen sich 24 unterschiedlichen Themen, von Astronomie über Apps, Biotechnik und freie Software bis zu Sicherheit, Social Media und Robotertechnik.

Website Campus Party