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Streit um Kachelmann-Buch geht weiter

Frankfurt/Main (dpa) - Irgendjemand beim Heyne-Verlag muss sich viel Mühe gegeben haben mit dem Buch von Jörg Kachelmann und seiner Frau Miriam:

Jörg und Miriam Kachelmann
Jörg und Miriam Kachelmann stellen «Recht und Gerechtigkeit» auf der Buchmesse vor. Foto: Boris Roessler Foto: dpa

Sämtliche Exemplare von «Recht und Gerechtigkeit», die am Freitag bei Kachelmanns Pressekonferenz auf der Frankfurter Buchmesse auslagen, waren sorgfältig geschwärzt. Mit einem Filzstift hatte jemand den Namen von Kachelmanns Ex-Geliebter durchgestrichen. Auf manchen Seiten vier, fünf Mal. Bei insgesamt 383 Seiten muss das eine Heidenarbeit gewesen sein.

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Am Mittwoch hatte das Landgericht Mannheim dem Heyne-Verlag untersagt, Kachelmanns Buch weiter zu vertreiben, solange Claudia D. darin mit vollem Namen genannt wird - jene Frau, deren Anzeige wegen Vergewaltigung den Prozess gegen den Fernsehmoderator auslöste, an dessen Ende ein zähneknirschender Freispruch des Landgerichts Mannheim stand. Verlagsleiter Ulrich Genzler sagte, von der Erstauflage von 50 000 Exemplaren seien schon 40 000 an den Buchhandel ausgeliefert. Diese sind nicht von dem Verbot betroffen und dürfen verkauft werden. Schon bis Ende nächster Woche soll eine neue Auflage gedruckt werden, dann ohne den Namen.

Angesichts dieser Mühe schien es eigenartig, dass Kachelmann in der Pressekonferenz betonte: «Das Buch handelt über weite Teile nicht von ihr, und zwar aus guten Grund: Weil sie ist nicht wichtig.» Es gehe nicht um seinen Fall, sondern um ein generelles Problem, da es viele Opfer von falschen Beschuldigungen gebe. Und er betont: «In mir und uns wohnen weder Wut noch Hass.»

Dem 54-Jährigen schien der Auftritt vor der Presse Spaß zu machen, gegen Ende flachste er sogar mit den Fotografen, die ihm vor den Gerichtsterminen immer aufgelauert hatten. «Ich hoffe, Sie haben es gemerkt: Ich habe versucht, bei jedem Einfahren in die Tiefgarage genau gleich zu gucken - dass Sie nie unterscheiden können, an welchem Datum ist er so reingefahren», scherzte der Moderator, und sprach direkt einzelne Fotografen an: «Sie waren das, der sich vors Auto geworfen hat? Also: Die Buben hier vorne waren das!»

Nur zum Vergleich: Im Buch schreibt Kachelmann von seinem «abgeschalteten Gesichtsausdruck, zu dessen Herstellung ich mir keine Mühe geben musste, denn die Abscheu vor den Geiern, die sich um die beste Position (...) rauften, war echt».

Draußen vor dem Raum der Pressekonferenz wartete unterdessen ein älterer Herr mit schwarzem Lederhut und einer Krawatte mit dezentem Tiermuster: Rechtsanwalt Rüdiger Zipper. Seine Kanzlei hatte am Donnerstag im Namen von Claudia D. eine weitere einstweilige Verfügung erwirkt, diesmal direkt gegen Jörg Kachelmann: Er darf den Namen seiner Ex-Geliebten nicht mehr öffentlich aussprechen. Zipper hätte die Verfügung wohl gern direkt auf der Pressekonferenz überreicht, aber der Verlag ließ ihn nicht hinein; ein abweisender Sicherheitsmensch kontrollierte den Eingang.

Kachelmanns Rechtsanwalt Ralf Höcker kündigte Widerspruch gegen die Verfügung an: «Die Dame ist Radiomoderatorin, drängt sich mit allen Mitteln in die Öffentlichkeit, unter anderem mit einer Fotostrecke in der Bunten - dass man sie namentlich nicht nennen sollte, leuchtet mir nicht ein.» Claudia D. hatte nach dem Ende des Prozesses der Zeitschrift «Bunte» ein Interview gegeben und auch die Veröffentlichung von Fotos zugelassen. Das Titelfoto in der «Bunten», meint allerdings das Landgericht Mannheim, ändere nichts an der rechtlichen Bewertung, «da die Antragstellerin so nur für ihr nächstes Umfeld identifizierbar ist».

Auch der Heyne-Verlag prüft, ob er gegen das Buchverbot vorgeht. «Falls die Verfügung aufgehoben wird, könnte der Verlag den ihm bis dahin entstandenen Vertriebsschaden geltend machen», sagt der Leiter der Rechtsabteilung, Rainer Dresen. «Das kann teuer werden.»