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Regisseur Eberhard Itzenplitz gestorben

München (dpa) - Der Regisseur Eberhard Itzenplitz ist tot. Er sei bereits am Samstag im Alter von 85 Jahren einer langen und schweren Krankheit erlegen, teilte sein Sohn der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag in München mit.

Eberhard Itzenplitz
Eberhard Itzenplitz ist tot. Foto: Isabel Dömges Foto: dpa

Die Trauerfeier wird am Mittwoch im engsten Familienkreis ohne Öffentlichkeit stattfinden, die Urne soll später beigesetzt werden. Itzenplitz machte sich vor allem durch seine gesellschaftskritischen Filme im deutschen Fernsehen einen Namen. Gemeinsam mit namhaften Drehbuchautoren arbeitete er die Vergangenheit auf und nahm Gegenwartsprobleme ins Visier.

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Für Debatten etwa sorgte der TV-Film «Bambule» - Itzenplitz führte Regie, das Drehbuch stammte von Ulrike Meinhof. Der Film, der die autoritären Methoden in einem Mädchenheim kritisierte, wurde wegen der terroristischen Verstrickung Meinhofs zurückgezogen und erst 1994 ausgestrahlt. «Wir haben gesellschaftliche Planspiele betrieben», sagte er anlässlich seines 80. Geburtstags.

Itzenplitz, der aus einem alten brandenburgischen Geschlecht stammte, wurde in Holzminden geboren und wuchs in Sachsen auf. Nach dem Abitur 1943 wurde er eingezogen und geriet in russische Gefangenschaft. Nach dem Krieg studierte er in München und Göttingen Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie. 1953 promovierte er mit einer Untersuchung über die Bühnenbilder zur Goethe-Zeit.

Immer wieder griff Itzenplitz zeitgeschichtliche Themen auf wie in den Filmen «Die Mitläufer» über den Alltag des kleinen Mannes im Dritten Reich oder «Für'n Groschen Brause» und «Schwarzenberg» nach Stefan Heym über die Nachkriegsjahre in der damaligen Ostzone. Die Berlin-Blockade fand ihren Niederschlag in dem Film «Rosinenbomber».

Vielbeachtete Fernsehfilme waren unter anderem «Die Dubrow-Krise» nach Wolfgang Menge, eine fiktive Vorwegnahme der Wiedervereinigung, oder die temperamentvolle DDR-Aussteigergeschichte «Die neuen Leiden des jungen W.» nach Ulrich Plenzdorf. «Ich hatte immer eine große Leidenschaft für Ost und West», sagte Itzenplitz. Er wurde mit einer Reihe von Preisen bedacht, darunter dem Adolf-Grimme-Preis in Silber.