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Prinz Charles und sein Zaubergarten

London (dpa) - Eine Legende besagt, dass Prinz Charles regelmäßig mit seinen Pflanzen spricht, das verhindere, dass er verrückt werde, soll er sogar mal zugegeben haben.

Kronprinz Charles von Großbritannien
Naturfreund Prinz Charles von Großbritannien setzt sich aktiv für den Naturschutz ein. Foto: Jens Büttner Foto: dpa

Dass seine Bäume für ihn fast wie sein eigen Fleisch und Blut sind, das bekundet er jedenfalls ganz ungeniert. «Bemerkenswerterweise werden sie wie Kinder, denen man Jahr für Jahr beim Wachsen zusieht», schreibt er über die Bäume in seinem Privatgarten am Landsitz Highgrove in der Nähe der Stadt Bath. Er hat ihn selber angelegt und dabei seine Träume verwirklicht. Herausgekommen ist ein wahrer Öko-Zaubergarten, mit dem der passionierte Naturschützer Standards für Bio-Gartenbau setzt.

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«Seitdem ich mit dem Garten angefangen habe, habe ich einen Großteil der Bäume und Pflanzen selber gepflanzt», berichtet der 63-Jährige. Zwar ist Highgrove nicht sein einziger Garten, auch am Londoner Wohnsitz Clarence House und auf dem schottischen Balmoral Estate gibt es Anlagen, die ebenfalls nach Bio-Standards geführt werden. Doch Highgrove war Charles besonderes Herzensprojekt, denn hier schuf er den Garten aus dem Nichts. Als er Highgrove House 1980 kaufte, um von dort aus das Landleben genießen und gleichzeitig in der Nähe der Stadt leben zu können, gab es keinen.

Auf der Anlage hat Charles mehrere Gartentypen verwirklicht. So gibt es formal angelegte Abschnitte, einen Bauerngarten oder einen Bereich, in dem Wald-Vegetation gedeiht. Ein nahezu ausgestorbenes Habitat erweckte Charles mit der Wildblumen-Wiese wieder zum Leben. Hier finden sich mittlerweile mehr als 30 heimische Arten, darunter Knabenkraut, Klappertopf oder Kuckucks-Lichtnelke.

Die Haus- und Gartenversorgung folgt in vielem dem Nachhaltigkeitsprinzip, für das Charles so oft die Werbetrommel rührt. Abwasser aus dem Haus und von der Obstplantage fließt in eine spezielles Schilfrohr-System. Sämtlicher Biomüll wird kompostiert und recycelt. Zur Schädlingsbekämpfung werden natürliche Feinde bevorzugt. Es wird ausschließlich natürlicher Dünger verwendet. Angebaut wird auch Lieblingsgemüse von Charles: Kartoffeln, Kohl, Rosenkohl und Möhren. Unter den zahllosen Bäumen sind viele Apfelbäume, darunter auch fast ausgestorbene Sorten.

«Ihre Majestät wollten unbedingt unsere heimische Flora und Fauna schützen und fördern, die durch die moderne Landwirtschaft ernsthaft in Gefahr ist», heißt es von der Verwaltung des Highgrove House. In allem folge man Charles' Motto: «Es ist besser, mit der Natur zusammenzuarbeiten, als gegen sie.»

Hinter Charles' Garten steckt eine Menge Philosophie. Der Öko-Prinz verfolgt sie seit vielen Jahren und hat sie unter anderem in seinem Buch «Harmonie - Eine neue Sicht unserer Welt» erklärt. Er versteht sein Engagement als «Aufruf zur Revolution» und kritisiert den Umgang der Menschen mit der Natur. «Die Erde ist in Gefahr», heißt es schon auf den ersten Seiten. «Sie wird nicht fertig mit allem, was wir ihr abverlangen. Sie verliert ihre Balance und daran sind wir Menschen schuld.»

Mit zunehmendem technischen Fortschritt und Wohlstand haben die Menschen nach Charles' Ansicht das Wesentliche aus den Augen verloren, und vergessen, was die Welt eigentlich ausmacht: das Leben im Einklang mit der Natur. Ihr nur so viel zu nehmen, wie man auch zurückgeben kann. Dieses «dynamische Gleichgewicht» sei nichts anderes als Harmonie.

Charles selber arbeitet mit Hilfe seiner Stiftungen für Naturschutz und Artenvielfalt an der Natur-Revolution. Auch setzt er sich für den Schutz des Regenwaldes und gegen genetisch veränderte Lebensmittel ein. Zudem praktiziert er selber ökologische Landwirtschaft. Seine Bio-Produkte gibt es unter dem Namen «Duchy Originals» - darunter Kekse und Würstchen - im Supermarkt zu kaufen.

Und wenn er Zeit findet, dann geht er selber in den Garten, wie eine Palastsprecherin erklärt: «Der Prinz ist ein begeisterter Gärtner, wenn sein Zeitplan es erlaubt. Er verbringt viel Zeit damit, in seinen Gärten und auf seinen Anwesen zu arbeiten, besonders in Highgrove.»

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