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«Popstars» haben nicht «abgeliefert»

Berlin (dpa) - «Du hast nicht delivered!», «Du hast heute keine Leistung abgeliefert!», «Du hast uns enttäuscht, schon wieder!» - Solche Sätze von Jurymitgliedern mit todernstem Blick - und dann die Großaufnahme eines jungen Menschen kurz vor den Tränen.

«Popstars»
Die «Popstars»-Jury mit Detlef D! Soost (l-r), Lucy Diakovska, Senna Guemmour und Ross Antony: Foto: Jörg Carstensen Foto: dpa

Das sind immer die großen Momente bei «Popstars» auf ProSieben. Doch zuletzt hat die Castingshow, aus der mehrere Popbands hervorgingen, selbst nicht mehr «abgeliefert». An diesem Donnerstag (20.15 Uhr) läuft das Finale der zehnten «Popstars»-Staffel, die bisher die schwächsten Quoten hat. Die vorletzte Folge schalteten nur 1,3 Millionen (4,6 Prozent Marktanteil) ein.

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Die Frage, ob bei den Männern Cem, Alex, Fabian oder Alessio beziehungsweise bei den jungen Frauen Gianina, Mira, Steffi oder Joanna gewinnen, tritt vor einer anderen Frage fast in den Hintergrund: Wird es dieses Format noch ein weiteres Mal geben?

Deutschlands erste Castingshow zeigte vor zwölf Jahren erstmals in jedem Wohnzimmer, wie Bühnentalente eine Ausbildung durchmachten, um an einen Plattenvertrag zu kommen. Es ist eine harte Auslese, die viele Leute eher an einen Kasernenhof als an eine Musikschule erinnert.

Mit dem aus den USA importierten Casting war die Show im deutschen Fernsehen sehr erfolgreich, bevor andere Importe wie «Deutschland sucht den Superstar» oder «X Factor» ihr das Publikum streitig machten. Mit den No Angels, mit Bro'Sis, mit Monrose stellte man Retortenbands zusammen, die zeitweise große Charterfolge hatten. Der Tanz-Coach und spätere Chefjuror Detlef D! Soost wurde ein Publikumsliebling.

Doch seit Jahren bröckelt der Erfolg. Bands wie Queensberry und Some&Any konnten nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen. Als sich im vergangenen Jahr die «Popstars»-Mädchengruppe La Vive nach drei Monaten sang- und klanglos auflöste und Bandmitglied Sarah Rensing lieber wieder als Kosmetikerin arbeitete, überraschte das wenige.

Auch die Überarbeitung der Show vor der aktuellen Staffel brachte nicht viel Besserung. Eine Punktevergabe sollte für Spannung sorgen, ehemalige «Popstars»-Gewinner in der Jury für Glamour. Doch obwohl Ex-Bro'Sis-Sänger Ross Antony immer wieder melodramatisch in Tränen ausbrach, wenn er streng werden musste; obwohl Monrose-Sternchen Senna Guemmour mit ihren Blicken böse Blitze aussandte, wenn der Auftritt vor ihr allzu unterirdisch war; obwohl die Mädchen häufig erst heftig weinten, bevor sie von der Jury dann die «allerletzte Chance» bekamen: Immer weniger Zuschauer schalteten dazu ein.

In der Flut der Castingshows hat es der deutsche Pionier offenbar immer schwerer. Ende August wurde bekannt, dass ProSieben die zehnte Staffel wegen unzureichender Quoten früher als geplant beendet. Traditionell entscheidet der Münchener Sender aber immer erst nach der letzten Ausstrahlung, ob ein Showformat in Zukunft weitergeht.

Mitteilung von ProSieben zu Popstars