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Pop-Poet Chima auf Erfolgskurs

Frankfurt/Main (dpa) - An die letzten fünf Jahre denkt der Frankfurter Musiker Chima mit unguten Gefühlen zurück. Die Hölle seien die gewesen, sagt der 39-Jährige. «Ich hatte kaum Geld. Manchmal hat es nur für Cornflakes mit Wasser gereicht.»

Chima
Chima ist der Durchbruch gelungen. Foto: Frank Kleefeldt Foto: dpa

Auf diese «Cornflakes mit Wasser» wird Chima in jüngster Zeit immer wieder angesprochen. Denn sie tauchen in seinem pop-poetischen Song «Morgen» auf, mit dem er einen Radiohit gelandet hat. Das Video wurde auf YouTube fast zwei Millionen Mal angeklickt.

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Der Song, der mit sanften Rhythmen und eingängigem Text daherkommt, dreht sich ums ewige Aufschieben von Zielen, aber auch darum, am Rand der Gesellschaft zu leben. Für Chima nichts Unbekanntes. «Und jetzt giggeln Teenie-Mädchen los, weil sie mich erkennen. Das ist schon absurd», sagt der Mann im blauen Karohemd - und lächelt. Der Erfolg hat ihn eingeholt. Gerade spielte er im Vorprogramm von Popstar Tim Bendzko («Nur noch kurz die Welt retten»). Und im November geht Chima auf seine erste eigene Tour - mit Songs aus seinem im Juli erschienenen Album «Stille».

«Ich genieße den Erfolg gerade noch sehr mit Vorsicht», sagt er. Beim Interview im Café holt er die Getränke an der Theke selbst, weil die Bedienung zu viel zu tun hat. Chimaobinna Enyiakanwanne Onyele lautet sein bürgerlicher Name. Seine Eltern wandern in den 60ern Jahren von Nigeria nach Deutschland ein. Er und seine drei jüngeren Brüder sind in Frankfurt geboren und aufgewachsen.

Chima, wie er genannt wird, beginnt ein Soziologie-Studium, bricht es aber ab. Ziellos ist er nach eigener Darstellung aber nicht. «Ich habe mich bewusst für Jobs und gegen einen Beruf entschieden», sagt er. Tagsüber habe er gearbeitet und sich um seinen kleinen Sohn gekümmert, nachts feilte er an der Musik. Nichts soll ihn von dem Ziel abbringen, mit der Musik Erfolg zu haben - auch nicht eine Kreditkarte oder ein 13. Monatsgehalt.

Seine ersten Tipps holt er sich mit 16 Jahren von Moses Pelham. Der Frankfurter Musiker und Produzent war da schon gefeierter Rapstar. Sie spielten in der gleichen Basketball-Mannschaft. Vor zwölf Jahren erregt Chima zunächst Aufmerksamkeit als Rapper und Mitglied von «Brothers Keepers»: Ein Anti-Rassismus-Projekt, an dem sich afrodeutsche Musiker wie Samy Deluxe beteiligten, auch Xavier Naidoo war dabei. Mit ihnen hat er den Chart-Hit «Adriano (Letzte Warnung)». Seine Solo-Alben «Reine Glaubenssache» (2002) und «Im Rahmen der Möglichkeiten» (2005) bescheren ihn aber keinen Durchbruch.

Seinen jetzigen Erfolg erklärt er nicht nur damit, dass er poppiger geworden ist und auch Co-Autoren wie Reggae-Sänger und Kumpel Patrice zugelassen hat. Auch seine Texte sind persönlicher und weniger mit Fremdwörtern gespickt. «Früher ging es mir darum allen zu beweisen, wie intelligent ich bin und was ich doch für einen tollen Wortschatz habe. Jetzt ist es mir wichtiger, dass eine Emotion auf dem kürzesten Weg transportiert wird», sagt der Künstler.

Auf Wortspiele legt er dennoch wert. «Heute war gestern schon morgen», heißt etwa eine Zeile in «Morgen». Auf dem Album «Stille» geht es ansonsten um unerwiderte Liebe wie in «Lieb mich» oder darum das Cool-Sein oft einsam macht wie in «Clown».

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