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«Melt!»-Festival: Junge Hüpfer zwischen altem Eisen

Gräfenhainichen (dpa) - Silberne Lamettafäden wehten im Wind. Riesige Discokugeln drehten sich an den Baggern, leuchteten rot und gelb. Der Festivalslogan «You melt my heart!» wurde auf einen der Stahlgiganten projiziert: «Du bringst mein Herz zum Schmelzen!»

'Melt!'- Festival in Ferropolis
Beth Ditto beim «Melt!»-Festival. Foto: Marc Tirl Foto: dpa

Am Samstagabend heizte die US-Indiepop-Band Gossip ein. In ihrem knappen roten Minikleid brachte die exzentrische Frontfrau Beth Ditto das Publikum zum Toben, Tanzen, Hüpfen. Bereits am Freitagabend begeisterte die Rockband Bloc Party tausende Zuschauer. Viele steckten in schrillen Kostümen. So feierte etwa ein Pinguin neben einer Vampirbraut und einem menschlichen Hot Dog - trotz Regens.

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Die vier Briten waren bereits zum dritten Mal auf dem Indie- und Elektrofestival in Gräfenhainichen (Sachsen-Anhalt) zu Gast. «Das ist unverwechselbar», sagte Bassist Gordon Moakes. «Auf mich wirkt dieser Anblick mit all den Kränen und Baggern sehr deutsch. Das sieht nach Industrie aus, zugleich aber auch nach Kunst. So etwas gibt es bei keinem anderen Festival.»

Das dreitägige Spektakel war auch in diesem Jahr wieder ausverkauft. Auf dem Spielplan standen mehr als 130 Bands, DJs und Solokünstlern. Am Freitag dominierten schrammende Rockgitarren und poppige Pianoklänge. Ob bei der New Yorker Dancepunk-Band The Rapture, dem schweizerisch-deutschen Frauen-Duo Boy oder dem amerikanisch-kanadischen Pop-Elegiker Rufus Wainwright. Samstagnacht brachten dann die synthetischen Klänge von Modeselektor aus Berlin die Massen zum Tanzen. Auch Techno-DJ Oliver Koletzki war aus der Hauptstadt angereist. Zum Abschluss stand am Sonntag das Konzert des französischen Elektro-Duos Justice auf dem Programm.

Die 20 000 Tickets für die 15. Auflage waren laut Veranstalter so schnell vergriffen wie nie zuvor. Das Festival hat international einen guten Ruf. «Etwa 40 Prozent der Besucher kommen aus dem Ausland», sagte der Festivalsprecher Stephan Velten. Fans aus Frankreich, den Niederlanden, England oder skandinavischen Ländern kamen in den früheren Braunkohletagebau am Gremminer See nahe Dessau. Seit 1999 ist das Festival hier zu Hause.

Bis Sonntagnachmittag verlief der Musikmarathon nach Angaben der Veranstalter friedlich, die Polizei meldete keine größeren Vorkommnisse. In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Autoeinbrüchen gekommen. «Dieses Problem haben wir mit mehr Sicherheitskräften auf den Campingplätzen in den Griff bekommen», sagte Velten. Zum Öko-Konzept des Festivals gehört auch, dass der leere Handy-Akku an einer Hometrainer-Station wieder aufgeladen werden kann.