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«Melt!»-Festival: Junge Hüpfer zwischen altem Eisen

Gräfenhainichen (dpa) - Silberne Lamettafäden wehten im Wind. Riesige Discokugeln drehten sich an den Baggern, leuchteten rot und gelb. Der Festivalslogan «You melt my heart!» wurde auf einen der Stahlgiganten projiziert: «Du bringst mein Herz zum Schmelzen!»

«Melt!»-Festival
Ferropolis, die «Stadt aus Eisen», ist wieder hell erleuchtet. Foto: Marc Tirl Foto: dpa

Auf der Hauptbühne stand Freitagnacht die britische Rockband Bloc Party und brachte tausende Zuschauer zum Toben, Tanzen, Hüpfen. Viele steckten in schrillen Kostümen. So feierte etwa ein Pinguin neben einer Vampirbraut und einem menschlichen Hot Dog - trotz Regens. Europas größtes Indie- und Elektrofestival in Gräfenhainichen (Sachsen-Anhalt) war an diesem Wochenende wieder ausverkauft.

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Echte Headliner gebe es beim «Melt!» ja eigentlich nicht, hatte Festivalsprecher Stephan Velten der Nachrichtenagentur dpa im Vorfeld noch gesagt. Tatsächlich fehlten die ganz großen Namen auf dem Spielplan mit mehr als 130 Bands, DJs und Solokünstlern.

Doch die vier Briten von Bloc Party arbeiteten daran, den Kultstatus einzunehmen. Sie zeigten sich bei ihrem schon dritten «Melt!»-Auftritt begeistert von dem Festival. «Das ist unverwechselbar», sagte Bassist Gordon Moakes. «Auf mich wirkt dieser Anblick mit all den Kränen und Baggern sehr deutsch. Das sieht nach Industrie aus, zugleich aber auch nach Kunst. So etwas gibt es bei keinem anderen Festival.»

Eben dafür steht das «Melt!». Es vereint auf sechs Bühnen elektronische Musik mit Rock- und Popsounds. Am ersten der drei Festivaltage dominierten schrammende Rockgitarren und poppige Pianoklänge. Ob bei der New Yorker Dancepunk-Band The Rapture, dem schweizerisch-deutschen Frauen-Duo Boy oder dem amerikanisch-kanadischen Singer/Songwriter Rufus Wainwright - sie alle begeisterten das Publikum. Geplant waren auch noch synthetische Klänge etwa bei Modeselektor aus Berlin.

Die 20 000 Tickets für die 15. Auflage waren laut Veranstalter so schnell vergriffen wie nie zuvor. Das Festival hat international einen guten Ruf. «Etwa 40 Prozent der Besucher kommen aus dem Ausland», sagte Festivalsprecher Stephan Velten. Fans aus Frankreich, den Niederlanden, England oder skandinavischen Ländern kamen in den früheren Braunkohletagebau am Gremminer See nahe Dessau. Seit 1999 ist das Festival hier zu Hause.

Zum Öko-Konzept des Festivals gehört auch, dass der leere Handy-Akku an einer Hometrainer-Station wieder aufgeladen werden kann.