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Live-Events mit Rekordumsatz und steigenden Ticketpreisen

Berlin (dpa) - Popstars wie Madonna, Lady Gaga oder die Rollings Stones sahnen bei Konzerten Millionen ab, doch auf Dauer drohen ihnen die Fans wegzubrechen. Vor allem jungen Menschen werden die Tickets zu teuer.

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Besucher eines Open-Air-Festivals in Karlsruhe. Foto: Uli Deck Foto: dpa

Einer neuen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge sind die Preise für Eintrittskarten zu Live-Events in den vergangenen beiden Jahren nochmals um 8 Prozent auf durchschnittlich 32,30 Euro gestiegen, von den horrenden Angeboten auf dem Schwarzmarkt ganz zu schweigen.

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«Die Künstler mögen zwar mit weniger Besuchern mehr Umsatz und damit auch einen höheren Profit generieren. Im Ergebnis bleibt auf diesem Wege jedoch ein Teil ihres Publikums auf der Strecke», warnte Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft, am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Die Zahlen geben ihm recht: Zwar ist die Veranstaltungsbranche nach dem drastischen Einbruch 2008/2009 wieder im Aufwind, der Umsatz kletterte 2011 auf ein Rekordhoch von fast 4 Milliarden Euro (plus 24 Prozent gegenüber 2009). Mit 122 Millionen verkauften Tickets blieben die Besucherzahlen aber immer noch deutlich hinter der Höchstmarke von 127 Millionen (2007) zurück.

Grund sind nach Darstellung von Michow neben höheren Produktionskosten vor allem überzogene Honorarforderungen von Musikern. Längst seien die großen Stars die eigentlichen Veranstalter von Konzerten, sie könnten ihre Bedingungen diktieren. «Die Künstler möchten bis zur letzten Karte an jedem Ticket, das verkauft wird, beteiligt werden», sagte er. «Das geht nach dem Motto: As much as possible (so viel wie möglich).»

Allerdings sind Musiker auf diese Einnahmen auch immer mehr angewiesen, seit der Markt für Platten und CDs durch Downloads im Internet eingebrochen ist. 1995 kamen die Umsätze auf dem Musikmarkt noch je zur Hälfte aus dem Verkauf von Tonträgern und den Einnahmen durch Tickets, inzwischen ist das Verhältnis ein Drittel zu Zweidrittel. «Früher hat ein Künstler Konzerte gemacht, um seine Tonträger zu promoten, heute macht er Tonträger, um seine Konzerte zu promoten», so Michow.

Dennoch gebe es keinen Grund, den «Blues» für die Veranstaltungsbranche zu singen. «Das furchtbare Jahr 2009 ist aufgeholt, und zwar in allen Bereichen», sagte Chefredakteur Stefan Zarges vom Fachmagazin «Musikmarkt», das die Studie seit den 90er Jahren gemeinsam mit dem Wirtschaftsverband in Auftrag gibt.

So konnten Live-Veranstaltungen auf dem Entertainment-Markt ihren zweiten Rang hinter dem Spitzenreiter Buch (3,9 gegenüber 4,2 Mrd. Euro Umsatz) halten. Den größten Zuwachs verzeichneten überraschend klassische Konzerte und Opern, Volksmusik und Hip-Hop mussten dagegen Abstriche hinnehmen, der Publikumsliebling Musical stagnierte.

Bei den Veranstaltungen ohne Musik blieben Theater und Lesungen Spitzenreiter, der eigentliche Gewinner aber war das Genre Comedy: Es konnte in den vergangenen zwei Jahren ein Umsatzplus von 60 Prozent verbuchen. Ein Problem aber haben alle Veranstaltungen gemeinsam - ihr Publikum wird immer älter: 2011 kamen bereits Zweidrittel des Umsatzes von der Generation 40 plus, Tendenz steigend.

Pressemitteilung des Verbands