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Kunstfest Weimar rückt Liszts Spätwerk in den Mittelpunkt

Weimar (dpa) - Das Kunstfest Weimar nimmt in diesem Sommer Abschied von seinem «Hausheiligen» Franz Liszt, um im nächsten Jahr dessen Schwiegersohn Richard Wagner zu huldigen.

Nike Wagner
Seit 2004 ist Nike Wagner Intendantin des Kunstfestes Weimar. Foto: Martin Schutt Foto: dpa

Zuvor stehe das Musikfest jedoch in der Pflicht, nach dem Avantgardisten Liszt des tief religiösen Liszts zu gedenken, sagte Kunstfest-Chefin Nike Wagner am Donnerstag in Weimar.

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Wichtigstes Projekt: Liszts Spätwerk «Via Crucis». Der US-amerikanische Regisseur Robert Wilson verwandelt das Oratorium über die 14 Kreuzwegstationen Christi in eine Licht- und Klanginstallation. Traditionell eröffnet wird das Kunstfest am Freitag mit dem Konzert «Gedächtnis Buchenwald».

Die Gedenkworte spricht in diesem Jahr Marian Turski, ehemaliger Historiker und Überlebender der KZ Auschwitz und Buchenwald - auch in Gedenken an seinen im Mai gestorbenen Freund Arno Lustiger, der ursprünglich reden wollte. Turski spricht im Sinne Lustigers über den jüdischen Widerstand. Musiker aus Warschau werden dazu ein Stück von Constantin Regamey spielen, das 1942 seine geheime Uraufführung erlebte.

Das rund dreiwöchige Kunstfest steht in diesem Jahr unter dem Motto «Anrufung» und verweist damit auf die spirituell-religiöse Ausrichtung. Konzerte mit Igor Levit und Herbert Schuch, Tanzabende mit dem bengalisch-britischen Tänzer Akram Khan oder dem Marokkaner Sidi Larbi Cherkaoui sind diesem Thema gewidmet. Es gibt ein Ständchen mit dem Pianisten und Komponisten Steffen Schleiermacher zum 100. Geburtstag von John Cage, der - wie Nike Wagner sagte - die Musikszene nach 1945 «aufgemischt» habe.

Die diesjährige Kunstfestausstellung kommt aus Liechtenstein und zeigt Werke der in den 60er Jahren entstandenen Kunstrichtung Arte Nova, die mit neuen Ausdrucksweisen und Materialien uralte Fragen der Menschheit beantworten wollte.

2012 will sich Nike Wagner ihrem Ahnen Richard Wagner stellen - und selbst nach zehn Jahren Abschied aus Weimar nehmen. Unter dem doppeldeutigen Titel «Wagner-Idyll» wolle sie den Komponisten im Spiegel der zeitgenössischen Künste zeigen. «Wagner selbst muss sich nicht mehr durchsetzen.»