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George Lucas gibt die «Star Wars»-Macht an Disney weiter

Burbank/Berlin (dpa) - Eine große Erschütterung der Macht es ist: Die von George Lucas erfundene «Star Wars»-Welt gehört jetzt dem Medienriesen Disney. Er selbst wird bei dem überraschend angekündigten neuen Film nur noch Berater sein. Kommt jetzt «Schneewittchen und die 7 Droiden»?

George Lucas
George Lucas hat seine Firma Lucasfilm an den Micky-Maus-Konzern verkauft. Foto: Richard Lewis Foto: dpa

Für das «Star Wars»-Universum beginnt eine neue Ära. Wenn 2015 fast 40 Jahre nach dem ersten Film vom «Krieg der Sterne» ein siebter Teil in die Kinos kommt, wird Erfinder George Lucas nicht mehr Regie führen und nur noch Berater sein. Das Sagen hat stattdessen der Unterhaltungsriese Disney. Eingefleischte Fans fürchten nun noch mehr die Kommerzialisierung der Saga um Darth Vader und Luke Skywalker. Und Disney lässt die Geldmaschine «Star Wars» nicht einrosten: Alle zwei, drei Jahre soll ein neuer Film kommen.

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Bekannt ist über «Star Wars: Episode VII» bisher wenig. Die Saga soll jedenfalls chronologisch weitergehen - diesmal gibt es keine Vorgeschichte mehr zu erzählen wie nach den ersten drei Filmen. In mehreren Büchern wurde das «Star Wars»-Epos zwar schon über Teil VI hinaus fortgeschrieben - Prinzessin Leia und Han Solo bekommen Zwillinge, eine Auftragskillerin verliebt sich in Luke Skywalker, den sie eigentlich töten sollte. Doch der neue Film werde damit nichts zu tun haben, es werde eine eigens dafür erfundene Geschichte, an der Lucas beteiligt gewesen sei, versicherten Quellen bei Lucasfilm dem Entertainment-Dienst «E!Online».

George Lucas, der 68-Jährige Schöpfer des «Star Wars»-Universums, verkaufte seine Firma Lucasfilm für 4,05 Milliarden Dollar (über 3,1 Milliarden Euro) an den Micky-Maus-Konzern. Lucas hatte keine Lust mehr, «Star Wars» selbst weiterzudrehen. Das lag nicht nur am Alter. Vielmehr habe ihn die negative Reaktion der Fans auf die drei neueren Filme und die Neuauflage der ersten Streifen getroffen, sagte Lucas Anfang des Jahres der «New York Times». Die «Star Wars»-Geschichte sei für ihn abgeschlossen. «Warum sollte ich mehr davon machen, wenn alle mich die ganze Zeit nur anschreien und mit sagen, was für ein schrecklicher Mensch ich bin?» Deshalb gehe er in den Ruhestand - nur einen fünften «Indiana Jones»-Film über den von Harrison Ford gespielten Abenteurer behielt er sich noch als mögliches Projekt vor.

Tatsächlich hatten viele «Star Wars»-Fans der ersten Stunde die seit 1999 erschienenen Episoden I bis III mit der Vorgeschichte der Original-Trilogie heftig kritisiert. Sie fanden sie zu kindisch, zu voll mit Spezialeffekten und konnten sich besonders nicht mit der albernen neuen Figur des langohrigen Jar Jar Binks anfreunden. Auch die animierten «Clone Wars» galten eher als Kommerz denn Kunst.

Lucas suchte zugleich aber auch einen sicheren Hafen für sein Lebenswerk, und da hieß es frei nach dem Titel eines der Filme: «Das Imperium schlägt zu» - Disney. Schon vor eineinhalb Jahren habe er erste Gespräche mit Lucas begonnen, sagte Disney-Chef Robert Iger nach Bekanntgabe des Deals. Am Ende war die Macht mit dem Unterhaltungsriesen.

Disney baut mit dem wohl langlebigsten Epos der Filmgeschichte sein Arsenal moderner Mythen dramatisch aus: Denn Luke, Leia und Han gesellen sich zu den klassischen Disney-Evergreens, den Figuren des Animationsstudios Pixar wie dem Clownfisch Nemo und den Superhelden von Marvel wie Iron Man oder Captain America. Letztere spielten in diesem Jahr mit «The Avengers» 1,5 Milliarden Dollar allein an den Kinokassen ein. Und 2015 dürfte ein ganz großes Jahr für Disney werden, denn dann soll auch «The Avengers 2» ins Kino kommen.

Mit Lucasfilm bekommt der Unterhaltungsriese auch die renommierte Spezialeffekte-Schmiede Industrial Lights and Magic sowie das Videospiele-Studio Lucasarts, das der schwächelnden eigenen Sparte von Disney helfen könnte. Es ist übrigens schon die zweite von Lucas gegründete Firma, die Disney für viele Milliarden Dollar kauft: Er stand auch an den Anfängen von Pixar, das aber erst Apple-Gründer Steve Jobs zum führenden Animations-Studio ausbaute. Bleibt die Frage, ob Disney das Fingerspitzengefühl beweist, um die sensiblen «Star Wars»-Fans nicht zu verschrecken. Sie sind misstrauisch, nehmen es aber auch mit Humor.

Ob Prinzessin Leia jetzt in die Riege der notorisch niedlichen Disney-Prinzessinnen aufgenommen werde, war eine der häufigsten Spaß-Fragen beim Online-Kurznachrichtendienst Twitter - neben Links zu Collagen von Micky-Maus mit Darth-Vader-Maske und Filmtitel-Ideen wie «Schneewittchen und die sieben Droiden».

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