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Britischer Historiker Eric Hobsbawm gestorben

London (dpa) - Der Kommunismus war sein Leben und Marx' «Kommunistisches Manifest» seine Bibel: Der britische Historiker Eric Hobsbawn trat bereits in jungen Jahren der kommunistischen Partei in Großbritannien bei und hielt sein Leben lang an den marxistischen Ideen fest.

Eric Hobsbawm
Der britische Historiker Eric Hobsbawm starb im Alter von 95 Jahren. Foto: Roland Schlager Foto: dpa

Am Montag starb Hobsbawm im Alter von 95 Jahren, wie seine Tochter Julia in London mitteilte. Er galt als einer der namhaftesten Historiker der Gegenwart sowie wichtigsten linken Intellektuellen in Großbritannien. Vertreter der britischen Linken würdigten den Historiker. «Seine historischen Werke brachten Hunderttausenden Menschen Jahrhunderte britischer Geschichte näher», sagte der Vorsitzende der Labour-Partei, Ed Miliband. «Er brachte die Geschichte heraus aus dem Elfenbeinturm und hinein in das Leben der Menschen.»

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Hobsbawm wurde 1917 als Sohn jüdischer Eltern im ägyptischen Alexandria - damals britisches Protektorat - geboren. Sein Vater war Brite, die Mutter Österreicherin. Kindheit und Jugend verbrachte er in Wien. In Berlin kam er 1933 erstmals mit der KPD in Kontakt - nur wenige Tage vor der Machtergreifung Hitlers. «Es war unmöglich, sich von der Politik fernzuhalten, die Monate in Berlin machten mich zu einem lebenslangen Kommunisten», sagte er einst. «In Deutschland blieb keine Alternative. Wenn ich ein Deutscher und kein Jude gewesen wäre, wäre ich vielleicht ein Nazi geworden.»

Wenig später musste er vor den Nazis nach England fliehen. Dort trat er der Kommunistischen Partei bei. Seine Mitgliedschaft dauerte bis zu deren Zusammenbruch im Jahr 1989. Hobsbawms Festhalten an der kommunistischen Idee hatte aber auch darüber hinaus Bestand. Soziale Ungerechtigkeit müsse immer noch angeprangert und bekämpft werden, sagte er einmal, «von selbst wird die Welt nicht besser». Im Jahr 2009 sagte er im Interview mit dem «Stern» einen Krieg zwischen den USA und China voraus.

In späteren Jahren arbeitete Hobsbawm als Hochschullehrer in London und Cambridge und veröffentlichte zahlreiche Bücher. Als sein Hauptwerk gilt eine Trilogie über das «lange 19. Jahrhundert». Er beleuchtet darin den Zeitraum von der französischen Revolution bis zum Ersten Weltkrieg.

Hobsbawm starb im Royal Free Hospital in London, wo er zuvor wegen einer Lungenentzündung behandelt worden war. Seit einiger Zeit litt er an Leukämie. Trotz seiner schweren Erkrankung veröffentlichte Hobsbawm vor wenigen Wochen einen Nachruf im «Guardian» auf die Soziologin Dorothy Wedderburn.