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Art-Pop: Efterklang, Absynthe Minded, Emanuel And The Fear

Berlin (dpa) - Ein seltener Glücksfall: Popmusik, der man ihren Kunstwillen anhört, ohne dass sie verkopft und abgehoben klingt. Womit wir beim tollen Art-Pop von Efterklang (Dänemark), Emanuel And The Fear (USA) und Absynthe Minded (Belgien) wären.

Efterklang
Inspiration in der Geisterstadt: Efterklang. Foto: Rasmus Weng Karlsen Foto: dpa

Bands wie Roxy Music, Talk Talk oder The Blue Nile, Solokünstler wie Kate Bush, Peter Gabriel oder David Sylvian haben das Genre definiert und sowohl künstlerische als auch kommerzielle Triumphe gefeiert. Solche Breitenwirkung wäre dem Trio EFTERKLANG schon lange zu gönnen. Denn seit Jahren macht die inzwischen zu zwei Dritteln in Berlin wohnende dänische Band wunderbar ätherische, hoch ambitionierte, oft groß orchestrierte Popmusik für Gourmets. Das neue Album «Piramida» (4AD) ist Efterklangs Meisterwerk.

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Schon die Geschichte dieser zehn prachtvollen Lieder liest sich spannend. Efterklang reisten im vorigen Jahr nach Piramyden im höchsten Norden Norwegens, in eine von russischen Bergarbeitern 1998 fluchtartig verlassene Siedlung, um sich von der Geisterstadt-Atmosphäre inspirieren zu lassen. Mads Brauer (Elektronik), Casper Clausen (Gesang) und Rasmus Stolberg (Bass) brachten von dem Trip in die lebensfeindliche Einöde rund 1000 Sounds mit, von Klimpereien auf einem zurückgelassenen Klavier über Trommeleien auf leeren Ölfässern bis zu Tier- und Naturgeräuschen. Diese Field Recordings bauten sie in einem Berliner Studio in ihre Songs ein.

Das Ergebnis ist ein faszinierendes Klangpuzzle. Denn ihre akustischen Nordpol-Impressionen verschraubten Efterklang mit sinfonischen und choralen Elementen, feierlichen Bläser-Arrangements und klassischen Art-Pop-Harmonien. Die an Scott Walker erinnernde, beeindruckende Baritonstimme von Casper Clausen wurde wie ein weiteres Instrument in die geräumigen Klanglandschaften eingefügt. So entstanden kühl-intellektuelle und zugleich bewegende Lieder, die am besten unter dem Kopfhörer genossen werden sollten. «Piramida» offenbart auch beim x-ten Hören neue Eindrücke, eine überragende High-End-Produktion ist das Album überdies. Absolute Empfehlung!

Auch die sechsköpfige Band EMANUEL AND THE FEAR aus Brooklyn bei New York bastelt schon eine ganze Weile an ihrem etwas anderen Sound. Nach dem Album-Debüt von 2010 und zwei EPs haben Frontmann Emanuel Ayvas und seine Mitstreiter nun einen neuen Kurs eingeschlagen - Richtung Art-Pop und Progressive-Rock der 70er Jahre. Auf «The Janus Mirror» (Haldern Pop/Rough Trade) meidet das Sextett zum Glück die eitlen Exzesse der Prog-Dinos von einst - oder schafft zumindest eine zeitgemäße Variante, wie vor einigen Jahren The Decemberists mit ihrem Opus magnum «The Hazards Of Love».

Zahlreiche Tempo- und Harmoniewechsel, ausufernde Streicher-Arrangements und gelegentliche Metal-Gitarren fügen sich zu einem anspruchsvollen und doch zugänglichen Ganzen. Im Mittelpunkt des manchmal an eine Rockoper erinnernden Werks stehen die starken Stimmen von Ayvas und Liz Hanley. Nachdem der britische «Guardian» das Emanuel-Debüt noch mit dem Electric Light Orchestra verglich, kommt nun King Crimson in den Sinn, die langlebige Art-Rock-Band um Robert Fripp. Wie auch immer: Emanuel And The Fear dürften erst recht nach diesem Klasse-Album noch für manche Überraschung gut sein.

Einen Karriere-Höhepunkt markiert auch «As It Ever Was» (Universal France/Cargo) für die aus dem belgischen Gent stammende, seit 2004 bestehende Band ABSYNTHE MINDED. Auf dem fünften Album des Quintetts um den Sänger und Gitarristen Bert Ostyn verschmelzen Piano-Pop, Chanson, orientalische Einflüsse, Psychedelic- und Jazz-Sprengsel zu einer harmonischen und mitreißenden Mixtur. Dass Tom Barman, Boss der belgischen Vorzeige-Rocker dEUS, ein großer Fan von Absynthe Minded ist, wundert aufgrund gewisser Ähnlichkeiten von Sound und Gesang auch nicht.

Typisch für «As It Ever Was» sind eine folkige Violine und ein herrlich fetter Orgelklang. Insgesamt ist die Musik von Absynthe Minded damit ähnlich der von dEUS erstaunlich eigenständig und im besten Sinne kontinentaleuropäisch. Da die Band nach eigener Auskunft aus fünf absoluten Melodie-Fanatikern besteht, hört sich ihr Art-Pop bei aller instrumentalen Üppigkeit gefällig und lässig an. Fazit: Mit dem neuen Album liefert die Truppe aus der belgischen Provinz eine der angenehmsten Überraschungen dieses Herbstes ab.

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