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Schüler aus Bergen »spielte« Politik in Berlin

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Am Rednerpult des Bundestags musste Joseph Mörtl seinen Standpunkt vertreten. Er schlüpfte in die Rolle eines Mitglieds der ÖSP-Fraktion, dem Pendant der »echten« Grünen.

Bergen – Auf Einladung der SPD-Bundestagsabgeordneten Bärbel Kofler nahm Joseph Mörtl am bundesweiten Planspiel »Jugend im Parlament« teil. Gemeinsam mit über 300 Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren war das Parlament für vier Tage fest in der Hand des Politiknachwuchses.


Das Planspiel »Jugend und Parlament« wird seit 1981 vom Besucherdienst des Deutschen Bundestags organisiert. Ziel sei es, so Bärbel Kofler, den Jugendlichen ein besseres Verständnis dafür zu ermöglichen, wie Gesetze entstehen. Vier fiktive Tagesordnungspunkte haben die »Nachwuchspolitiker« in diesem Jahr entwickelt, beraten und letztlich auch verabschiedet.

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Sie lernten die Arbeit der Abgeordneten kennen

Zur Debatte standen Entwürfe zu einer Grundgesetzänderung, zu mehr direkter Demokratie, zu einem Auslandseinsatz der Bundeswehr und zu mehr Tierschutz in der Landwirtschaft. Die Jugendlichen lernten dabei die Arbeit der Abgeordneten kennen – in den Landesgruppen, Fraktionen, Arbeitsgruppen und Ausschüssen. Bei der abschließenden Debatte im Plenarsaal traten Redner aus allen Spielfraktionen ans Pult und versuchten, Mehrheiten für ihre politischen Anliegen zu gewinnen. Im Anschluss an die Simulation diskutierten die Teilnehmer mit Vertretern der Vorstandschaften der echten Bundestagsfraktionen.

Der 17-jährige Joseph Mörtl schlüpfte in die Rolle eines Mitglieds der ÖSP-Fraktion, dem Pendant der »echten« Grünen: »Ich war Mitglied im federführenden Innenausschuss und wir hatten ein verfassungsänderndes Gesetz zur Einführung von Volksabstimmungen auf Bundesebene durchzuboxen, was natürlich als kleinste Oppositionspartei alles andere als einfach war. Wir hatten zwar die besseren Argumente, aber was will man zu zweit in einem 25-Mann-Ausschuss machen?«

Besonders fasziniert zeigte sich der Schüler des Annette-Kolb-Gymnasiums Traunstein von der anstrengenden parlamentarischen Arbeit und der Art des Planspiels: »Spannend war, dass nach der Veranstaltung teilweise 'Abgeordnete der Linken' sich als konservativ herausstellten oder anders herum. Sie haben aber trotzdem den ihnen zugewiesenen Standpunkt authentisch vertreten. In unserer Fraktion kannten wir nach der Veranstaltung nicht einmal unsere richtigen Namen, sondern nur unsere Spielnamen.«

»Ich würde auf jeden Fall wieder hinfahren«

Für den 17-Jährigen war vor allem das Gefühl, im Plenarsaal des Bundestages zu sitzen, wo sonst nur Abgeordnete hin dürfen, einfach gewaltig. »Als Fazit kann ich sagen, dass man in diesen vier Tagen den Gesetzgebungsprozess im Bundestag wirklich authentisch erleben konnte. Die Veranstaltung war perfekt durchorganisiert und betreut.« Auch Bärbel Kofler nahm sich ausführlich Zeit für den jungen Bergener und lud ihn sogar zu einer Landesgruppenbesprechung der bayerischen SPD ins Reichstagspräsidentenpalais ein. »Ich würde auf jeden Fall wieder hinfahren. Es war ein einzigartiges Erlebnis.« fb