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»Politik ist harte Arbeit«

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Die Vertreter Chinas – Johannes Hackner (von links), Laura Läufer und Emily Hafner – vom Landschulheim Schloss Ising beraten über mögliche Maßnahmen.

Chieming – In dem dreitägigen Planspiel »Polis« haben Zehntklässler aus Ising und aus Prien die internationale Weltpolitik hautnah kennengelernt. Die Gymnasiasten waren dabei unter der Anleitung von zwei Jugendoffizieren der Bundeswehr in verschiedene Rollen geschlüpft.


Sie arbeiteten als Staats-Chefs, Wirtschaftsminister, Weltbank-Manager, Leiter der Vereinten Nationen, internationale Journalisten und Amnesty International-Vertreter. Als Erstes mussten sich die 40 Schüler in ihre Rollen einarbeiten, zum Beispiel sichteten die jeweils drei Vertreter der Staaten wie Russland oder Indien sowie der Staatengruppen wie Ozeanien und Afrika ihre Ausgangslage in den Bereichen Sicherheit, Umwelt und Wirtschaft, damit sie diese in einer ersten Runde vorstellen konnten.

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Flüchtlinge erreichen Europa, Japan schaltet seinen Atommeiler wieder an, Großbritannien verlässt die EU, der Terrorismus bedroht viele Staaten: Neu eingespielte Nachrichten zwangen die Schüler nun zum Formulieren von Programmen, mit deren Umsetzung sie einerseits Bedrohungen abwehren und andererseits die Wirtschaft am Laufen halten wollten, während die Wirtschaftsminister in einer Art Börse hektisch Waren austauschten und Handelsverträge abschlossen. Anschließend trafen sich alle zu einem Sicherheitsgipfel, der von den Vertretern Europas beantragt worden war.

Das Planspiel »Polis«, das an der Universität Erlangen entwickelt wurde, um den Studenten die Weltpolitik näher zu bringen, wird seit 1989 von der Bundeswehr für ihre Öffentlichkeitsarbeit genutzt. Die Teilnehmer lernten damit die Arbeitsweise von Politikern kennen. Nebenbei erwarben sie viele Kompetenzen: »Das ist ganz schön aufregend, vorne am Stehpult und mit Mikrofon vor allen zu sprechen«, berichtete André Saraboso aus Ising. Auch schnelles Reagieren will gelernt sein, denn das interaktive Planspiel verläuft je nach der Arbeit der Teilnehmer unterschiedlich.

»In Europa hungern viele Einwohner!« – Was die Weltpresse aufdeckte, war der Fehler der EU-Politiker, denn bei der vorherigen Handelsrunde hatten sie sich zu wenig mit Rohstoff- und Industriegütern eingedeckt, sodass viele Betriebe nicht mehr produzieren konnten. Nun war schnelles Gegenlenken gefragt – ein Antrag auf Soforthilfe wurde nötig. Denn bei dem auf drei Jahre angelegten Planspiel hätten andere Maßnahmen erst viel zu spät gegriffen.

Nun sprachen die Staatsminister über die Erfolge und Misserfolge ihrer Politik und mussten vor den anderen Staaten Rede und Antwort stehen. Vor allem zu diesen Reden gab es von den beiden Spielleitern ein sehr ausführliches Feedback: Blickkontakt zu den Zuhörern, Einhalten der vorgegebenen Zeit, Sprache und inhaltlicher Aufbau – alles gut gelungen? Die Teilnehmer waren sich nach den drei Tagen sicher, viel gelernt zu haben: »Man sieht, dass die Leute da oben in der Politik hart arbeiten müssen«, sagte Vichy Lirapirom vom Isinger Gymnasium. fb