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Nicht für alle Arbeiten im Haushalt einspannen lassen

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Anfallende Aufgaben bei der Hausarbeit sollten gerecht verteilt werden. Jugendliche können zum Beispiel die Spülmaschine ausräumen.

Den Eltern im Haushalt zu helfen, ist für Jugendliche nicht nur eine moralische Pflicht. Das Bürgerliche Gesetzbuch schreibt es ihnen sogar vor. Auch wenn viele Mütter und Väter den Paragrafen 1619 nicht kennen werden: Bei anfallenden Aufgaben spannen viele ihre Sprösslinge ein – und das ist auch gut so, sagen Experten. Nur das Maß muss stimmen, damit es den Jugendlichen nicht zu viel wird oder gar die Schule leidet.


Es mag überraschend klingen: Jugendliche helfen ihren Eltern durchaus gerne im Haushalt und bei familiären Aufgaben. Denn so haben sie die Möglichkeit, etwas zurückzugeben. »Im Jugendalter beginnen die Kinder zu verstehen, was ihre Eltern bisher für sie geleistet haben«, sagt Psychologe Klaus Neumann. Außerdem profitiert man als Jugendlicher selbst davon, wenn man zu Hause eingespannt wird. »Damit lernen sie für ihr eigenständiges Leben, das sie später einmal führen müssen.«

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Liste mit allen Aufgaben im Haushalt schreiben

Am besten legt man in der Familie gemeinsam eine Liste mit allen Haushaltsaufgaben an. Das kann einem auch die Augen öffnen: Dann merkt man nämlich oft erst, was alles zum Alltag gehört und bisher von den Eltern gestemmt wurde, erklärt Neumann. Die Familie setzt sich am besten zu einem Stammtisch zusammen. Hier werden die Aufgaben besprochen und aufgeteilt. Räumt der Vater nur sehr ungern den Geschirrspüler aus und findet man selbst Wäsche aufhängen öde, können die Jobs im Haushalt den Vorlieben entsprechend vergeben werden. Neumann rät aber, dass man jede Hausarbeit zumindest einmal kennenlernen sollte.

Grundsätzlich kann man sich ordentlich beteiligen. »Zwei Drittel des Zeitkontingents sollten aber die Eltern übernehmen«, sagt Neumann. Zwischen Pflichten im Haushalt und Freizeit muss ohnehin ein passender Mittelweg gefunden werden. Jugendliche sollten darauf achten, genug Zeit für andere Aktivitäten haben. »Schule und Hobbys dürfen nicht zu kurz kommen«, sagt Rainer Schütz, Geschäftsführer des Vereins »Nummer gegen Kummer«. »Das muss sich die Waage halten.«

Aufgaben dürfen schulischen Erfolg nicht verhindern

Für Jugendliche gut zu wissen: Wenn die familiären Aufgaben ihren schulischen Erfolg verhindern – etwa weil kaum Zeit für das Lernen bleibt – sind sie nicht zulässig. Das sollte man dann auch den Eltern gegenüber ansprechen. Denn der Schulbesuch sollte analog zum Jugendarbeitsschutzgesetz auch bei Familienarbeit als geschützt gesehen werden, erklärt Gerd Engels, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz. Auch häusliche Arbeit vor und während der Schulzeit sei demnach verboten, fügt er an.

Auf die jüngeren Geschwister aufpassen müssen, ist grundsätzlich okay. Eltern haben aber nach wie vor für alle Kinder die Fürsorgepflicht. »Wenn sie der Meinung sind, dass das kleinere Kind durch das größere gut umsorgt ist, passt das«, sagt Engels. Natürlich kommt es beim Babysitten auch auf die Jugendlichen selbst an: Wer sich dadurch überfordert fühlt, spricht das am besten an, rät Schütz. Auch wenn eine Aufgabe zeitlich gerade nicht passt, sollte man das sagen. Etwa wenn der Rasen gemäht werden soll, jedoch gleichzeitig Hausaufgaben anstehen. »Dann kann man Arbeiten auch verschieben.«

Bei Beschwerden an Vertrauensperson wenden

Sind die elterlichen Ohren taub für die Beschwerden, wendet man sich zunächst am besten an eine Vertrauensperson, die Einfluss auf die Eltern hat. Der oder diejenige kann dann vermitteln. »In extremen Fällen hilft das Jugendamt«, sagt Engels. Bei Problemen sollte der erste Weg jedoch keinesfalls direkt dorthin gehen. Generell gilt: Ob ein Kind einer Aufgabe gewachsen ist, lässt sich meist mit einer einfachen Frage beantworten, sagt Neumann. Hätte man sich selbst das in diesem Alter bereits zugetraut?

Eine andere Sache sind Einkäufe, denn da gibt es klare Vorschriften. Denn bis zum 18.  Lebensjahr ist man nur beschränkt geschäftsfähig. Kleine Einkäufe wie das Brötchenholen beim Bäcker seien zwar bereits ab einem Alter von sieben Jahren in Ordnung, sagt Engels, es gibt aber klare Grenzen. Soll man aber für die Eltern Alkohol kaufen, sollten Kinder sie darauf hinweisen, dass in dem Fall immer noch der Jugendschutz gilt – und ablehnen. Man muss sich also nicht für jede Einkaufstour von den Eltern einspannen lassen. dpa