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»Edelweißpiraten« und »Train Kids«

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Der Jugendbuchautor Dirk Reinhardt las vor den achten und neunten Klassen am Johannes-Heidenhain-Gymnasium aus zwei seiner Bücher. Auch an der Mittelschule in Traunstein war er zu Gast. ( Foto: P. Mix)

Dirk Reinhardt, Historiker und Jugendbuchautor, machte während seiner Lesereise durch Bayern auch am Johannes-Heidenhain-Gymnasium in Traunreut und an der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule in Traunstein Station. Dort las er aus seinen beiden Büchern »Edelweißpiraten« und »Train Kids«. Die Schüler der neunten und achten Klassen lauschten ihm gespannt.


Der Jugendbuchautor sieht es als seine Aufgabe an, junge Menschen für die Literatur und das Lesen zu begeistern. Bei den Lesungen in Traunstein und Traunreut gelang es ihm mühelos, die Zuhörer zu fesseln. Über viele Jahre hinweg befasste sich der Schriftsteller mit Recherchen über die »Edelweißpiraten«, eine real existierende Gruppe von Jugendlichen aus dem Arbeitermilieu, die sich im Nationalsozialismus gegen das diktatorische Regime auflehnten. Sie wurden von der Gestapo verfolgt, verfassten Flugblätter und gingen in den Untergrund. Die Jugendlichen in Reinhardts Buch sind zwar frei erfunden, »aber was sie tun und was ihnen zustößt, beruht auf Berichten echter Edelweißpiraten«, erzählte der Autor, der sich beim Schreiben des Buches unter anderem auf Erzählungen von Zeitzeugen stützen konnte. Wenn es auch ein geschichtliches Thema ist, das in seinem Roman behandelt wird, so steht für Dirk Reinhardt doch fest: »Themen wie Diktatur, Rechtsextremismus, Rassismus sind auch heutzutage wieder aktuell, sie lassen uns nie so ganz los.« Er zeigte den Schülern durch seine Erzählungen, den vorgelesenen Passagen aus dem Buch und eindrucksvollen Bilder, was junge Menschen im Zweiten Weltkrieg zu erdulden hatten.

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In seinem Buch »Train Kids« beschreibt Dirk Reinhardt eine Situation von Jugendlichen, dieses Mal in Mexiko. Sie wollen der Armut, Gewalt oder Kriminalität in ihrer Heimat entfliehen, versuchen, in die USA zu kommen, auf der Suche nach ihren Müttern, die dort arbeiten und sie alleine zurückgelassen haben. Der Weg durch Mexiko – auf den Dächern der Güterzüge – ist gefährlich. Sie werden von Räubern verfolgt, von der Polizei gejagt, kämpfen mit Hunger und Durst. Und dann wartet das größte Hindernis: die schwer bewachte Grenze zu den USA.

In Traunstein durften die Schüler nach der Lesung noch mit Dirk Reinhardt diskutieren und ihm Fragen stellen. Dirk Reinhardt schilderte ausführlich seine Recherche in Mexiko, wo er Kinder und Jugendlichen getroffen hat, die sich täglich aus Verzweiflung und Armut auf den gefährlichen Weg in die USA machen. »Ich denke, dass die Jugendlichen erst dann aufhören zu fliehen, wenn sie in ihren Heimatländern wie Guatemala eine faire Chance für ihr Leben erhalten«, antwortete Dirk Reinhardt auf die Frage einer Schülerin.

»Ich finde es spannend und aufregend, einen echten Autor zu treffen und mit ihm über sein Buch zu diskutieren. Das Thema hat mich gefesselt und nachdenklich gemacht«, erklärte Korbinian aus der achten Klasse. Dirk Reinhardt war bereits zum wiederholten Male Gast an der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule. Konrektorin Ulrike Hoernes ist überzeugt, dass Schüler durch Begegnung mit authentischen Schriftstellern und eindrucksvolle Geschichten zum Lesen ermuntert werden können. Diese Chance nutzt die Mittelschule so oft wie möglich. mix/fb