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Zwei starke Frauen, eine Leidenschaft

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Michael Josef Oberndorfner hat die Erlebnisse seiner Urgroßmutter und ihrer Tochter auf verschiedenen Berghütten zwischen 1907 und 1934 zusammengeschrieben. Sie waren unter anderem auch am Watzmannhaus tätig und die Familie lebte zudem einige Zeit in Traunstein. (Foto: Brenninger)

Ihre Leidenschaft waren die Berge: Rosalia Oberndorfner und ihre Tochter Rosalia haben von 1907 bis 1934 in den Alpen gearbeitet – genauer gesagt auf fünf verschiedenen Berghütten. Sie versorgten Gäste am Blomberg bei Bad Tölz, auf dem Herzogstand (nordwestlich des Walchensees gelegen), auf dem Almagmach im Allgäu, auf der Gruttenhütte in Tirol und auf dem Watzmannhaus. Mal waren sie angestellt, mal waren sie die Wirtinnen. Einer ihrer Nachkommen, Michael Josef Oberndorfner, hat sich nun ihrer bewegten Geschichte angenommen. Herausgekommen ist das Buch »...kannst Du grüne Erbsen brauchen?«


Oberndorfner hat schon einmal ein Buch geschrieben – und zwar über seinen Großvater. Dieser war im Ersten Weltkrieg im Irak im Einsatz. Als sein Opa starb, blätterte der Enkel die Tagebücher durch – und verfasste darüber sein erstes Werk. Als er damit fertig war, kam die Bitte aus den Reihen seiner Verwandtschaft doch auch ein Buch über die Rosalias zu schreiben. Gesagt, getan.

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»Ihre Arbeit auf den Hütten hat mich fasziniert«

Schließlich »hat mich ihre Arbeit auf den Berghütten fasziniert«, betont Oberndorfner und deshalb begann er, erneut zu recherchieren, diesmal eben über seine Urgroßmutter und seine Großtante. Er stöberte in Briefen, Feldpostkarten und Dokumenten, die in Schuhschachteln bei den Familien im Keller rumstanden. Der Titel seines Buchs ist übrigens ein Zitat aus einem der vielen Briefe zwischen Mutter und Tochter, die er für das Buch gelesen hat.

Er fand auch viele Bilder aus jener Zeit. Denn Tochter Rosalia, die auch Lia genannt wurde, und ihr Mann Josef Ehrensberger, der – wenn er nicht gerade im Krieg war – auch auf den Hütten arbeitete, hatten auf dem Blomberg einen Fotoapparat und eine Dunkelkammer. Sie schossen damit Fotos von den Gästen, entwickelten die Bilder umgehend, damit die Gäste diese als Ansichtskarten verschicken konnten. »Das war praktisch ein eigenes Geschäftsmodell«, betont Oberndorfner. Manchmal fotografierten sie sich dann eben auch selber – und viele dieser historischen Aufnahmen finden sich nun eben auch im Buch wieder.

Oberndorfner forschte aber auch in der Kriegschronik von Kochel und besuchte zudem verschiedene andere Archive zu Recherchezwecken. 2000 Stunden Arbeit investierte er. Entstanden ist daraus nun sein zweites Buch, das über die normale Familiengeschichte weit hinausgeht. »Es überspannt den Zeitbereich von der späten Monarchie über den I. Weltkrieg, die Weimarer Republik bis in die frühe Zeit des Nationalsozialismus«, betont Oberndorfner, der mit seiner Familie in Feldkirchen-Westerham wohnt. Es war eine bewegte Zeit, die er seinen Lesern nahe bringen möchte. »Zum anderen geht es aber auch um die Entwicklung des Bergtourismus mit geführten Touren bis zum beginnenden Massentourismus mit Seilbahnen«, betont der Autor.

Oberndorfner, der übrigens auch gerne in die Berge geht und seit über 50 Jahren Mitglied im Alpenverein ist, hat für sein Buch deshalb auch viele Geschichten von den Hütten zusammengetragen. Die Familie, die eine zeitlang auch in Traunstein ansässig war und dort verschiedene Gaststätten bewirtschaftet hatte (unter anderem die Güterhalle und den Wiesenwirt), erlebte natürlich auch die Not der Kriegsjahre hautnah mit. Im März 1915 etwa – Mutter Rosalia, kurz Rosl genannt, arbeitete auf dem Watzmannhaus – wurde die Brotmarke eingeführt. Auch auf den Hütten erschwerte das die Bewirtschaftung der Gäste. Sie kamen dennoch oft entweder ohne Marken an oder mit Marken, die in der Ramsau nicht galten. Ein Plakat im Tal warnte die Wanderer deshalb: ohne Marke, kein Essen. Und irgendwann wurde auch das Bier rationiert – es wurde an der Front gebraucht.

Für Michael Josef Oberndorfner ist die Arbeit jetzt aber noch nicht zu Ende. Er forscht weiter und arbeitet aktuell an einer Neuauflage seines ersten Buches. Erst kürzlich hat er weitere Schuhschachteln mit historischen Aufzeichnungen im Keller gefunden – und die gilt es nun aufzuarbeiten.

Bergsteigerredaktion verlost drei Bücher

Die Bergsteigerredaktion verlost nun drei dieser Bücher. Wer gewinnen möchte, muss einfach folgende Fragen beantworten: »Wie heißen Mutter und Tochter Oberndorfner mit Vornamen?« Wer die richtige Antwort weiß, schickt bitte bis Mittwoch, 1. März, eine Postkarte an den Zeitungsverlag Miller, Bergsteigerredaktion, Marienstraße 12, 83278 Traunstein. Neben der richtigen Antwort muss bitte das Stichwort »Erbsen« und eine Telefonnummer angegeben sein. Mitspielen kann man aber auch über unser Internetportal www.suedost-news.de unter der Rubrik »Mitmachen«. Eine Glücksfee zieht die Gewinner. Diese werden telefonisch benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück. SB

»... kannst du grüne Erbsen brauchen?, Books on Demand Verlag, 183 Seiten, ISBN 978-3-7412-8298-0.